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Hieronymusring geht an Marianne Gareis

Machado de Assis. Dom Casmurro, übersetzt von Marianne GareisDie Heinrich-Maria-Ledig-Rowohlt-Stiftung hat für besondere Leistungen in der literarischen Übersetzung den Hieronymusring gestiftet. Dieser geht in diesem Jahr für 2 Jahre an die Übersetzerin Marianne Gareis, die unter anderem Werke von José Saramago, Gonçalo M. Tavares und Machado de Assis aus dem Portugiesischen und Samantha Schweblin und Sérgio Álvarez aus dem Spanischen übersetzt hat.

Der Preis ist undotiert und wird am 25.Mai auf der Tagung des Verbands der Übersetzer (VdÜ) in Wolfenbüttel verliehen. Der Hieronymusring wurde 1979 zum ersten Mal verliehen, wer ihn trägt entscheidet über den nächsten Preisträger. Bisherige Träger/innen waren u.a. Ilma Rakusa, Frank Heibert, Katrin Krieger und zuletzt Gabriele Leupold.

Seinen Namen verdankt der Ring dem Kirchenvater Hieronymus, dessen Hauptwerk, die Neuschöpfung des lateinischen Bibeltextes, als Vulgata zum zentralen Dokument der katholischen Kirche wurde. Der heilige Hieronymus gilt als Schutzpatron der Übersetzer.

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Ricardo Adolfo und Martha Batalha – neu in deutscher Übersetzung

In diesem Herbst sind zwei neue Übersetzungen erschienen, auf die wir hinweisen möchten.

Ricardo Adolfo: Maria von den abgesägten GewehrläufenDer für die portugiesischsprachigen Literaturen so engagierte A1 Verlag (mit Titel u.a. von José Eduardo Agualusa, Ana Paula Maia und Manuel Jorge Marmelo) hat von Ricardo Adolfo das Buch mit dem ungewöhnlichen Titel Maria von den abgesägten Gewehrläufen (Original: Maria dos Canos Serrados) in der Übersetzung von Barbara Mesquita veröffentlicht.

Der Roman, der in einem krisengebeutelten Vorort Lissabons spielt, hat Maria zur Hauptfigur, die, verlassen und bankrott, beschließt mit einer abgesägten Schrotflinte alte Rechnungen zu begleichen.  Eine wilde Geschichte und eine Reflexion über eine Frau, „die keinen Clyde braucht, um Bonnie zu sein“, so der Verlag.

Ricardo Adolfo, geboren 1974 in Luanda/Angola, wuchs in Lissabon und Macau auf. Nach Stationen in London und Amsterdam lebt er heute als Creative Director einer internationalen Werbeagentur mit seiner Frau in Tokio. Dort entstand auch sein letztes Buch Tóquio vive longe da terra, das letztes Jahr in Portugal erschienen ist, mit dem er sich in die inzwischen relativ große Zahl von portugiesischenr und brasilianischen Autoren einreiht, auf die Japan eine gewisse Faszination ausübt, aber dafür vielleicht später einmal mehr in einem separaten Artikel.

Martha Batalha: Die vielen Talente der Schwestern GusmãoDas  zweite Buch, das jetzt im November erschienen ist, stammt von der brasilianischen Autorin Martha Batalha, trägt den Titel Die vielen Talente der Schwestern Gusmão (Original: A vida invisível de Euridice Gusmão) und wurde von Marianne Gareis für den Insel-Verlag ins Deutsche übersetzt.

Die Geschichte spielt im Rio der 1940er Jahre und in ihrem Zentrum stehen die titelgebenden Schwestern Euridice und Guida Gusmão, die im kosmopolitischen  Flair der Stadt trotz allem vor allem eines sein sollen: liebende Gattinnen und Mütter. Damit wollen sich die beiden Schwestern Gusmão allerdings nicht zufriedengeben. Und so ersinnen sie mit großem Einfallsreichtum immer wieder neue Wege, um ihrem Familienalltag zu entkommen. Ob als Köchinnen, Schneiderinnen oder Liebhaberinnen – die beiden erkämpfen sich ihr eigenes Glück.

Martha Batalha ist Journalistin, Kulturschaffende und Schriftstellerin. Sie gründete einen erfolgreichen Verlag, brachte die Ausstellung World Press Photo nach Brasilien und lebt und arbeitet derzeit in New York.

Beide Romane im Original und in deutscher Übersetzung gibt es bei uns in der Buchhandlung.

Ricardo Adolfo: Maria von den abgesägten Gewehrläufen, 18,80 EUR

Martha Batalha: A vida invisível de Euridice Gusmão. 12,95 EUR

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Herbstzeit – Lesezeit, Teil 1

Es wird früher dunkel und später hell, das Novembergrau lockt nicht gerade ins Freie, die beste Zeit also, um es sich auf dem Sofa mit einem Buch gemütlich zu machen. Wie üblich veröffentlichen die Verlage im Herbst jede Menge Neuerscheinungen, eine kleine Auswahl stellen wir in loser Folge vor, kaufen und bestellen ist wie immer über die Links zu unserer Webseite möglich (oder Sie kommen einfach bei uns vorbei):

Vanessa Barbara: SalatnächteVanessa Barbara: Salatnächte (Originaltitel: Noites de Alface)

Deutsche Übersetzung von Marianne Gareis, A1 Verlag, 18,80 EUR

Originalausgabe Noites de Alface, Alfaguara, 27,00 EUR

Vanessa Barbara: Noites de alfaceDarum geht es: Der Rentner Otto hat nach 50 Jahre Ehe gerade seine Frau Ada verloren und versucht sich nun in seinem Stadtviertel in einer kleinen Ortschaft zurechtzufinden. Die Häuser der Gemeinde stehen eng beieinander und die Nachbarn unterhalten sich lautstark, weshalb Otto, ob er will oder nicht, alle Geschehnisse mitbekommt. Irgendwann merkt er, dass es da etwas gibt, das man ihm verheimlicht, wovon seine Frau aber sehr wohl wusste … der Zwischenfall. Um ihn ranken sich die witzigen und absurden Episoden aus dem Leben einiger Bewohner, denen die Autorin jeweils ein Kapitel widmet.

Eine leicht daher kommendes, unterhaltsames aber auch spannendes Romandebüt der jungen brasilianischen Autorin.

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Marianne Gareis und Michael Kegler erhalten Übersetzerpreis

Der Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW wird in diesem geteilt und geht an die beiden Übersetzer Marianne Gareis und Michael Kegler. Wir freuen uns sehr und gratulieren herzlich.

Jurybegründung:

Der Straelener Übersetzerpreis zeichnet in diesem Jahr zu gleichen Teilen zwei Übersetzer aus dem brasilianischen Portugiesisch aus: Marianne Gareis und Michael Kegler.

Marianne Gareis

Machado de Assis: Dom CasmurroDer Roman Dom Casmurro des Brasilianers Joaquim Maria Machado de Assis (1839 – 1908) gewinnt in dieser Neuübersetzung eine Lebendigkeit, die die blitzende Ironie und die subtile Menschenkenntnis dieses Meistererzählers in aller Frische hervortreten lässt. Indem Marianne Gareis dem Original genau nachspürt und auf die feinsten Nuancen horcht, gibt sie den deutschsprachigen Lesern einen Roman in die Hand, der in seiner spielerischen Leichtigkeit und überraschenden Lakonie zu Beginn des 20. Jahrhunderts kaum seinesgleichen hat. In ihrer Treue zum Original zeigt die Übersetzung, dass ein mit gutem Grund „klassischer“ Roman keiner forcierten sprachlichen Auffrischung bedarf, um den Bogen zum Heute zu schlagen.

Michael Kegler

Luiz Ruffato: Es waren viele PferdeEs waren viele Pferde (Eles eram muitos cavalos) des brasilianischen Autors Luiz Ruffato (*1961), eine „literarische Installation“ in 69 Miniaturen, die an einem einzigen Tag des Jahres 2000 in der Megacity São Paulo spielt, ist ein sprachlicher Überfall auf den Leser. Vom Übersetzer fordert der rasante Text ein atemloses Tastenspiel in allen Registern. Michael Kegler ist es gelungen, das harte Flackern und die nervöse Sprunghaftigkeit des Großstadtszenarios mit sicherem Gespür für Rhythmus und Sprachmelodie ins Deutsche zu bringen. So öffnet er uns Lesern, mit dem Einfallsreichtum seiner sprachlichen Mittel, einen Blick auf eine Lebenswelt, die unabweislich heutig ist, so beunruhigend wie faszinierend.

Die Jury teilt den Preis, da die beiden Übersetzer der ganzen Spannbreite der brasilianischen Literatur zwischen erster spielerischer Moderne und harter, keiner Gewissheit sicheren Gegenwartsliteratur überzeugend Ausdruck verschafft haben.

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Gonçalo M. Tavares: Die Versehrten

Gonçalo M. Tavares 2007 in Frankfurt, Copyright: TFM

Zur Buchmesse 2007 war Gonçalo M. Tavares zum ersten Mal in unserer Buchhandlung zu Gast und stellte einen Roman aus seiner sogenannten schwarzen Reihe vor. Ein besonderer, junger portugiesischer Autor, der mit damals Mitte 30 schon eine Dutzend Bücher in der Schublade hatte und eine genaue Vorstellung, welches Buch bei welchem Verlag erscheinen sollte. In Portugal waren damals einige Titel über die Bewohner des Bairro (Senhor Valéry, Senhor Henri, Senhor Brecht – und einige mehr sind inzwischen dazugekommen) erschienen, von der Kritik gefeiert wurde er aber vor allem für seine Reihe O Reino (livros pretos), deren Titel in Portugal alle mit einem komplett schwarzen Cover erschienen und inzwischen in zahlreichen anderen Ländern übersetzt wurden . Nach weiteren 5 Jahren erscheint nun endlich der erste Roman dieser Serie in einer deutscher Ausgabe. Marianne Gareis hat den Roman Jerusalém übersetzt, veröffentlicht wurde er vor wenigen Tagen in der Deutschen Verlagsanstalt unter dem Titel Die Versehrten.

Es ist ein ungewöhnliches, düsteres, nachdenkliches Buch, in dessen Zentrum die Auseinandersetzung mit Vernunft und Wahnsinn steht. Auffällig sind – wie übrigens in der gesamten schwarzen Reihe – die deutsch klingenden Namen der Protagonisten, hier heißen sie unter anderem Ernst Spengler, Hinnerk Obst oder Theodor Busbeck.

Eine Leseprobe hat der Verlag hier veröffentlicht.

Gonçalo M. Tavares wird im Juni auf Lesereise sein. Wir freuen uns auf eine Lesung in Frankfurt, die am Mittwoch, dem 13. Juni 19.30 Uhr  in der Stadtbücherei/Zentralbibliothek, nähere Informationen dazu demnächst hier. Weitere Lesungen finden in Heidelberg und Berlin statt.

Gonçalo M. Tavares: Die Versehrten, DVA, 2012, 19,99 EUR

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Kleine Erinnerungen von José Saramago

Saramago: Kleine ErinnerungenDas autobiographische Buch As pequenas memórias des portugiesischen Nobelpreisträgers José Saramago ist soeben mit dem Titel Kleine Erinnerungen in deutscher Übersetzung von Marianne Gareis bei Rowohlt erschienen.

Das Buch umfasst das Leben Saramagos als Kind und Jugendlicher (4-15 Jahre) Er berichtet vom Einfluss seiner Eltern und Großeltern, der Schule, den ersten Erfahrungen mit dem weiblichen Geschlecht. An einigen Stellen sind auch Begebenheiten erwähnt, die ihn später zu einem seiner Romane inspiriert haben. Alles in allem ein vergnüglich zu lesendes Buch, das eine andere Seite von José Saramago zeigt, der übrigens gerade an seinem neuen Roman schreibt und auch fast täglich in seinem Blog aktiv ist.

Wie immer finden Sie alle Bücher von José Saramago im Original und deutscher Übersetzung in unserer Buchhandlung.

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