DerPrêmio Jabutiist der bedeutendenste brasilianische Literaturpreis und wird in 20 verschiedenen Kategorien vergeben. Die Preisträger wurden gestern m Rahmen der Preisverleihung bekanntgegeben.
In der Kategorie „literarischer Roman“ wurde in diesem JahrVento em Setembro (Companhia das Letras) von Tony Bellotto ausgezeichnet. Der eigentlich als Krimiautor und Leadgitarrist der Rockgruppe Titãs erzählt eine komplexe Geschichte, die in den 1970er Jahren beginnt und sich über verschiedene Teile der Welt erstreckt. Priesterseminare, Bordelle, Eisenbahnwaggons und Krankenhausbetten sind einige der Schauplätze dieses Epos, das den Leser von Santos nach Griechenland, von Assisi nach Mexiko-Stadt, von Kirchenmauern ins Herz der Repression während der brasilianischen Diktatur führt.
Den Jabuti in der Kategorie Lyrik erhält Armando Freitas Filho für sein neuestes Buch Respiro (Companhia das Letras)
Buch des Jahres und gleichzeitig Preisträger in der Kategorie „Crónica“ wurde O Ouvidor do Brasil. 99 vezes Tom Jobimdes unermüdlichen Ruy Castro über den brasilianischen Ausnahmemusiker António Carlos Jobim.
Alle anderen Preisträger (u.a. für Kinderbuch, Übersetzung, bestes Cover etc.) lassen sich hier einsehen.
Heute ist es soweit. Der lang erwartete neue Asterix-Band, immerhin schon das 41. Abenteuer der unerschrockenen Gallier, kommt heute, am 23. Oktober 2025 in den Handel.
Asterix, Obelix und Idefix reisen dieses Mal in die römische Provinz Lusitanien, das heutige Portugal.
Es ist der zweite Band des Texters Fabcaro und bereits der siebte des Zeichners Didier Conrad, der vor 12 Jahren Albert Uderzo abgelöst hat. Über den Inhalt darf noch nichts verraten werden, aber man darf wohl davon ausgehen, dass typische „Portugal-Accessoires“ wie Fado, Azulejos, Saudade und Bacalhau irgendwie vorkommen.
Jedenfalls gibt es bei uns ab heute den neuen BandAsterix in Lusitanien auf Deutsch. Die portugiesische Ausgabe Astérix na Lusitânia erscheint ebenfalls heute in Portugal. Da das Veröffentlichungsdatum von den Verlagen sehr strikt eingehalten wird und auch in Portugal die Auslieferung erst heute losgeht, wird es noch ein paar wenige Tage dauern, bis auch die portugiesische Übersetzung Astérix na Lusitânia bei uns verfügbar ist.
Auf jeden Fall ein Fest nicht nur für Freunde von Asterix, Obelix und Idefix, sondern vielleicht auch spannend für einen Übersetzungsvergleich.
In diesem Jahr haben wir bei mainlesen, unserem Frankfurter Netzwerk unabhängiger Buchhandlungen etwas Besonderes vor – den 1.Frankfurter Bookstore Crawl. Die Idee dahinter ist, im Zeitraum vom 1. bis 15. November möglichst viele der teilnehmenden Buchhandlungen zu besuchen, insgesamt sind 12 Buchhandlungen dabei. In jeder Buchhandlung gibt es beim Besuch einen Sticker oder Stempel, mindestens 3 davon braucht man, um am Ende an der Verlosung toller Buchpakete teilzunehmen, die von Frankfurter Verlagen, wie z.B. S. Fischer, der Frankfurter Verlagsanstalt oder der Büchergilde zur Verfügung gestellt werden.
Der Crawl-Pass liegt ab sofort in allen teilnehmenden Buchhandlungen aus. Hier im Blog von mainlesen wird nochmal alles detailliert erklärt. Auf jeden Fall ist das eine tolle Möglichkeit, neben unserer auch einmal andere Frankfurter Buchhandlungen kennenzulernen. Viel Spaß dabei.
Folgende Buchhandlungen sind dabei und freuen sich auf Besuch:
Seit 20 Jahren gibt es den Verlag Edition Bilibri, der sich auf die Veröffentlichung zweisprachiger Kinderbücher spezialisiert hat. Der Verlag wurde 2004 mit dem Ziel gegründet, zweisprachig aufwachsende Kinder in ihrer Sprachentwicklung in beiden Sprachen durch erzählende Kinderbücher zu unterstützen. Die Bücher gibt es in ganz verschiedenen Sprachkombinationen, Portugiesisch war bisher nicht dabei, ist nun aber endlich seit kurzem dazugekommen, und zwar in der europäischen Variante.
Bisher sind 6 Titel erschienen, drei davon haben sogar einen Audioteil zum Download und alle sind ab sofort bei uns zu bekommen:
Eine ganze Reihe weiterer zweisprachiger Titel finden Sie hier bei uns in der Buchhandlung.
Margarida Vale de Gato wurde 1973 in Vendas Novas, Portugal geboren. Sie lehrt und forscht im Bereich Nordamerikanistik und Literaturübersetzung an der Fakultät für Literatur der Universidade de Lisboa. 2008 promovierte sie mit einer Arbeit über die Rezeption von Edgar Allan Poe in der modernen portugiesischen Lyrik.
Seit 1995 übersetzt Margarida Vale de Gato literarische Texte aus dem Französischen und Englischen. Das Projekt, das sie für die Literarische Residenz in Berlin vorstellte, Tocar a Quatro Mãos (Vierhändig spielen), befasst sich ebenfalls mit Schreiben und Übersetzen, hier mit der deutschen Sprache und der Dichterin und Übersetzerin Odile Kennel, die ihrerseits für die deutsche Fassung eines Buches von Vale de Gato verantwortlich ist, Die nicht reklamierten Reste. Lyrisches Handbuch des Übersetzens (im Original Os Restos Não Reclamados: Manual Lírico de Tradução), 2021 bei hochroth erschienen.
In Portugal veröffentlichte Margarida Vale de Gato zuletzt den Gedichtband Mulher ao Mar e Corsárias
Der mit 15.000 Euro dotierte Romanpreis des portugiesischen Schriftstellerverbandes (Grande Prémio APE/DGLAB) geht in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal an Teolinda Gersão. Sie wird für ihren im letzten Jahr erschienenen Roman Autobiografia não escrita de Martha Freud (veröffentlicht bei Porto Editora) ausgezeichnet und setzte sich in einer einstimmigen Juryentscheidung unter Vorsitz von José Manuel de Vasconcelos durch. 1995 war sie zum ersten Mal für A casa da cabeça de cavalo ausgezeichnet worden.
Die Jury betont, dass „der Roman nicht nur die kulturelle Bedeutung der Erinnerung hervorhebt, sondern zugleich auch ein großartiges psychologisches Porträt einer Frau ist, die sich schließlich gegen die patriarchalische Macht aufgelehnt hat.“
Teolinda Gersão wurde 1940 geboren und studierte an den Universitäten von Coimbra, Tübingen und Berlin. Sie war Lektorin für Portugiesisch an der Technischen Universität Berlin und Professorin an der Universidade Nova de Lisboa, wo sie Deutsche Literatur und Vergleichende Literaturwissenschaft lehrte.
Als Autorin von mehr als 20 Büchern hat sie bereits zahlreiche Literaturpreise erhalten, ihr Werk wurde in viele Sprachen übersetzt, auch ins Deutsche. Zur Zeit sind hierzulande aber keine Übersetzungen mehr im Handel.
Dort wächst Moisés ohne Mutter auf. Seine ältere Schwester Luzia, der man übernatürliche Kräfte nachsagt, erzieht ihn mit großer Strenge. Sie arbeitet als Wäscherin in einem Kloster, das seit Jahrhunderten die Gegend dominiert. Als sie für Moisés einen Platz in der Klosterschule erobern kann, glaubt sie an eine bessere Zukunft für ihren Bruder. Doch Moisés sieht sich Willkür und Missbrauch ausgesetzt, über die er mit niemandem sprechen kann. Er verlässt heimlich das Dorf und kehrt erst Jahre später zurück, nachdem das Kloster durch ein Feuer zerstört wurde.
In Brasilien wurde der Roman 2024 mit dem Prêmio Jabuti ausgezeichnet.
Wir veröffentlichen hier einen Beitrag von Michael Kegler, der zuerst bei nova cultura! erschienen hist
Die brasilianische Tageszeitung »Folha de S. Paulo« hat 101 Expert*innen aus unterschiedlichen Bereichen gebeten, die 25 »besten« brasilianischen Bücher des 21. Jahrhunderts zu nominieren. Unter den Meistgenannten sind erfreulich viele, die bereits ins Deutsche übersetzt wurden.
Weit davon entfernt, einen neuen Kanon definieren zu wollen, funktioniere die Liste als ein Zeugnis der Vielfalt und des Reichtums der brasilianischen Gegenwartsliteratur, schreibt die Zeitung.
An erster Stelle und mit 48 Stimmen am meisten genannt ist Ana Maria Gonçalves: »Um defeito de cor«. Das 2006 veröffentlichte und 2007 mit dem Premio Casa de Las Américas ausgezeichnete nahezu 1000-seitige Opus über eine Verschleppung von Afrika nach Brasilien und wieder zurück stand bereits 2022 auf der Liste der 200 wichtigsten Bücher für das Verständnis Brasiliens (Ebenfalls eine Aktion der Folha de S. Paulo), und inspirierte im Karneval 2024 den Aufzug der Sambaschule Portela. An zweiter Stelle nanten die Juror_innen Itamar Vieira Júnior: »Torto Arado«, der nach der Auszeichnung durch den Prémio Leya 2018 zunächst in Portugal veröffentlicht und ein Jahr darauf in Brasilien zum Sensations-Bestseller wurde. 2022 erschien der Roman in der Übersetzung von Barbara Mesquita unter dem Titel »Die Stimme meiner Schwester« auch auf Deutsch.
»O avesso da pele« von Jéferson Tenório, der 2020 möglicherweise eine neue literarische Auseinandersetzung mit dem brasilianischen Alltagsrassismus einläutete, steht an dritter Stelle der Erwähnungen, an vierter Stelle und 21 Mal wird »Nove noites« des immerhin mit drei Übersetzungen (von Karin von Schweder Schreiner) auf dem deutschen Buchmarkt vertretenen Bernardo Carvalho genannt, gefolgt von Cristóvão Tezza: »O filho eterno« und »Eles eram muitos cavalhos« (Dt. »Es waren viele Pferde«; übers.: Michael Kegler) des Eröffnungsredners der Frankfurter Buchmesse 2013 Luiz Ruffato, von dem seit 2012 noch 6 weitere Romane, darunter die Pentalogie »Vorläufige Hölle«, in deutscher Übersetzung vorliegen. Gleich zwei Mal werden in der Liste die für die Schwarze Literatur Brasiliens höchst bedeutsame Conceição Evaristo genannt, sowie der Musiker Chico Buarque und dessen Romane »Budapeste« (Budapest) und »Leite Derramado« (Vergossene Milch; übersetzt von Karin von Schweder Schreiner aber leider nicht mehr lieferbar).
Frisch auf Deutsch erschienen (Der Sturz des Himmels) ist dagegen das Standardwerk indigender Weltsichten »A queda do céu« von Davi Kopenava und Bruce Albert aus dem Jahr 2010, aus dem französischen übersetzt von Karin Uttendürfer und Tim Trzaskalik. Auf Portugiesisch erschien das Buch 2015 in der Übersetzung von Beatriz Perrone-Moisés. Davor nennt die Liste als ersten Lyrikband »O livro das semelhanças« der Lyrikerin Ana Martins Marques, deren »Risque esta Palavra« unter dem Titel »Streich dieses Wort« Ende 2024 in der Übersetzung von Michael Kegler auf deutsch erschien. Die zweite Lyrikerin auf der Liste ist Angélica Freitas deren »um útero é do tamanho do punho« (2012) von Odile Kennel ins deutsche übersetzt wurde: »der Uterus ist groß wie eine Faust« (2020). Evenfalls übersetzt sind: Bernardo Kucinski: »K.«, unter gleichem Titel 2013 in der Übersetzung von Sarita Brandt, Michel Laub: »Diário da Queda« (Tagebuch eines Sturzes; übers.: Michael Kegler, 2013 und leider vergriffen) José Falero: »Os supridores« (»Supermarkt«, 2024 übersetzt von Nicolai von Schweder-Schreiner), Geovani Martins: »Sol na cabeça« (2019 auf deutsch unter dem Titel »Aus dem Schatten« ebenso wie der 2024 veröffentlichte Roman »Via Ápia« in der Übersetzung von Nicolai von Schweder-Schreiner erschienen), sowie Sérgio Sant’Anna – allerdings nicht mit dem genannten »O voo da madrugada«. »Cinzas do Norte« von Milton Hatoum wiederum liegt seit 2008 n der Übersetzung von Karin von Schweder-Schreiner als »Asche vom Amazonas« auf Deutsch vor und ist sogar weiterhin lieferbar.
Unter den (noch) nicht ins Deutsche übersetzten Titeln stechen Natália Borges Polesso: »Amora« hervor, der 2015 als Erzählband über queere Lebensentwürfe Maßstäbe setzte, Micheliny Verunschk: »O som do rugido da onça«, in dessen Mittelpunkt die im 19. Jahrhundert von deutschen Naturforschern verschleppten und in München gestorbenen indigenen Kinder stehen, sowie Rubens Figueiredo: »Passageiro do fim do dia«, der im Rhythmus einer Busfahrt vom Stadtzentrum in die Peripherie die Geschichte Brasiliens erzählt. Daniel Galera: »Barba ensopada de sangue« (Flut; übersetzt von Nicolai von Schweder-Schreiner) Victor Heringer: »O amor dos homens avulsos« (»Die Liebe vereinzelter Männer, übers. 2024 von Maria Hummitzsch) sowie Andrea del Fuego »Os Malaquias« (Geschwister des Wassers, übers. von Marianne Gareis) rangieren außerhalb der Liste der 20 »besten« mit immerhin mehreren Erwähnungen durch das Gremium. 6 Stimmen erhielt auch »O Paraíso é bem bacana« von André Sant’Anna, das teilweise in Berlin spielt.
Die Liste im Einzelnen in der Reihenfolge der Stimmen:
Es versteht sich von selbst, dass alle Bücher soweit noch verfügbar, bei uns in der Buchhandlung entweder vorrätig sind oder bestellt werden können. Klicken Sie einfach auf die jeweiligen Titel.
Die norwegische Sozialanthropologin Erika Fatland ist zwei Jahre lang auf Frachtschiffen auf den Routen der portugiesischen Seefahrer gereist. Das daraus entstandene Buch Seefahrer mit dem Untertitel „Eine Reihe durch Portugals vergangenenes Weltreich“ ist das sehr lesenswerte Ergebnis dieser Reise.
Die Autorin spannt in ihrem umfangreichen (über 700 Seiten starken) Reisebericht einen Bogen von der Zeit der Seefahrer zum heutigen politischen, kulturgeschichtlichen und gesellschaftlichen Erbe der Kolonialzeit. Die Reise führt nach Portugal, Madeira , auf die Azoren, nach Ceuta, Kap Verde, Guinea-Bissau, Ghana, São Tomé und Príncipe, Äquatorialguinea, Angola, Mosambik , Tansania, Kenia, Dubai, Bahrain, Oman, die Malediven, Indien, Sri Lanka, Malaysia, Japan, Indonesien, Osttimor, St. Helena und natürlich Brasilien.
In einigen Ländern und Gebieten, die Erika Fatland besucht, gehört die portugiesische Ära der fernen Vergangenheit an und nur schwache Spuren erinnern noch daran. An anderen Orten wird sich noch sehr intensiv und schmerzhaft an die portugiesische Epoche erinnert.
Eine große Leseempfehlung für alle, die sich für die portugiesische Geschichte interessieren aber gleichzeitige interessante Reisereportagen aus der Gegenwart lesen. Eine portugiesische Übersetzung gibt es bisher noch nicht.
Morgana Kretzmanns UmweltthrillerDie Stimmen des Yucumã, der jetzt in der deutschen Übersetzung von Nicolai von Schweder-Schreiner im Insel Verlag erschienen ist, erzählt von drei willensstarken Frauen im Ökosystem des Rio Turvo in Südbrasilien.
Im brasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul an der Grenze zu Argentinien treffen die Parkrangerin Chaya, ihre Cousine Preta, Anführerin einer gefürchteten Gruppe von Jägerinnen und Schmugglern, und Olga, die Assistentin eines gierigen Kongressabgeordneten aufeinander. Sie sind gemeinsam aufgewachsen, stammen aber aus zutiefst verfeindeten Familien. Ein umstrittenes Bauprojekt, das das gesamte Ökosystem des Parks Rio Turvo und seiner Bewohner in Gefahr bringt, sorgt für ein unerwartetes Wiedersehen und das Aufbrechen alter Wunden.
Ein spannendes Buch mit vielen pointierten Dialogen, das sicher auch gut als Vorlage für einen Film funktionieren würde.
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