Archiv der Kategorie: brasilianische literatur

Moacyr Scliar (1937-2011)

Der brasilianische Schriftsteller  Moacyr Scliar ist am vergangenen Wochenende in Porto Alegre an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Der Sohn russisch-jüdischer Einwanderer wurde 1937 im südbrasilianischen Porto Alegre geboren. Er veröffentlichte neben seiner langjährigen Tätigkeit als Arzt mehr als 70 Romane, Essays, Kinder- und Jugendbücher und war einer der wichtigsten zeitgenössischen Schriftsteller Brasiliens. In deutscher Übersetzung erschienen unter anderem der großartige Roman Die Ein-Mann-Armee (O exercíto de um homem só) und Der Zentauer im Garten (O Centauro no Jardim). Beide sind im Moment leider nicht mehr lieferbar. Dreimal wurde Moacyr Scliar mit dem wichtigsten brasilianischen Literaturpreis dem Prêmio Jabuti ausgezeichnet. Zuletzt erschien im vergangenen Jahr sein Roman Eu vos abraço milhões.

Wie vielen anderen ist auch mir der Diskussionsbeitrag Moacyr Scliars beim portugiesischen Literaturfestival Correntes d’Escritas im Jahr 2009 in Erinnerung geblieben. Bei einer Debatte  mit dem Titel O medo ou o fascínio do desconhecido (Die Angst oder die Faszination des Unbekannten) erzählte er  dort von seinem Vater, der 1917 als Jugendlicher in Russland ein Schiff nach Brasilien bestiegen hatte, ohne zu wissen, was ihn dort erwarten würde. Niemals zuvor hatte er eine Ananas, Mango oder Banane gesehen – doch verband er mit Brasilien vor allem die  ein Land mit mildem Klima, liebenswürdigen Menschen und tropischen Früchten. Als das Schiff schließlich im Hafen von Porto Alegre anlegte,  stand dort ein Großteil der Bevölkerung am Kai und einer der Gaúchos reichte dem Jungen eine Banane. Er verstand, dass es sich um etwas zu essen handelte, hatte jedoch keine Ahnung, wie er die Banane essen sollte.  Nachdem er entdeckt hatte, dass sich die Banane wie eine Orange schälen ließ,  nahm er an, dass auch die Banane aus Schale und Kern bestehen würde, hielt die Frucht für den Kern und begann zur Verwunderung des Gaúchos die Schale der Banane zu essen.

„Der Schriftsteller ist jemand, der die Banane anschaut und die Schale isst“, so Scliar in seinem Vortrag, „dieser Schritt ins Unbekannte ist die Voraussetzung für Literatur, die die Aufgabe hat, das Unbekannte in Magie zu verwandeln.“

siehe auch:

Isabel Coutinho in Ciberescritas

Correntes d’Escritas 2009

Público

Der brasilianische Verleger Luis Schwarcz über Moacyr Scliar

Nachruf von Albert von Brunn bei nova cultura!

Nachruf in der taz

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nova cultura! im Februar

Die Februar-Ausgabe von nova cultura! ist online, hier die Themen:

Ein Interview von Felipe Tadeu mit der brasilianischen Sängerin Luciana Souza, eine Rezension des Romans Matteo perdeu o emprego von Gonçalo M. Tavares sowie Kurzgeschichten von Urariano Mota und Rui Zink.
Im  Terminkalender steht am 23. Februar die Abschiedsveranstaltung der portugiesischen Stipendiaten der Villa Concordia in Bamberg, unter anderem mit Dulce Maria Cardoso und José Riço Direitinho. Anschließend berichtet nova cultura! aus Portugal  über das Literaturfestival Correntes d’Escritas.

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Agualusa und Verissimo – neue Hörbücher

Unser Hörbuchsortiment wird entsprechend des nach wie vor nicht sehr umfangreichen Angebots in Portugal und Brasilien stetig erweitert. Neu hinzugekommen sind jetzt je ein Titel des angolanischen Autors José Eduardo Agualusa und von Luis Fernando Verissimo aus Brasilien.

Der Schauspieler Fernando Alves hat Agualusas Reiseroman Um estranho em Goa eingelesen. Das Begleitheft enthält bisher unveröffentlichte Illustrationen des Autors, und Texte von Ana Paula Guimarães, António Tomás und Marta Lança.

Luis Fernando Verissimo humoristische Kurzerzählungen um den Psychoanalytiker Bagé Todas as histórias do Analista de Bagé wurden von Nelson Freitas gelesen und auf einer MP3-CD veröffentlicht.

Beide Titel sind ab sofort bei uns erhältlich.

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nova cultura! feiert 10.Geburtstag

Am 15.Januar 2001 ging unsere Partnerseite nova cultura! ihre ersten Schritte im Internet, damit feiert die Webseite jetzt ihren 10.Geburtstag, und wir gratulieren natürlich ganz herzlich und freuen uns auf viele weitere Jahre der Zusammenarbeit.

Michael Kegler, Herausgeber und Redakteur von nova cultura! dankt allen Lesern und Mitstreitern (Mitschreibern), die sich seit 2001 mit Texten, Anregungen, oder einfach als Leserinnen und Leser an dem Projekt beteiligt haben.

nova cultura! gab es viele Jahre in gedruckter Form als boletim bibliográfico unserer Verlagsbuchhandlung (TFM – Centro do Livro e do Disco de Língua Portuguesa), um Kunden über Neuerscheinungen aus der lusophonen Welt und Veranstaltungen zu informieren.  Rezensionen und Veranstaltungstipps gibt es auch heute noch, alles ein bißchen schneller und interaktiver als früher. Hinzugekommen sind unter anderem ein Blog, in dem verschiedene Autoren regelmäßig schreiben (neben Michael Kegler, unter anderem der brasilianische Musikjournalist Felipe Tadeu und der brasilianische Autor Urariano Mota).  Besonders empfehlenswert ist auch die Rubrik literatrip. Zuletzt erschienen dort Kurgeschichten von Rui Zink, Gedichte von Ivo Machado und Luís Filipe Cristóvão und Gonçalo M.Tavares. Schauen Sie doch mal wieder vorbei bei nova cultura! – die aktuellsten nova cultura! Nachrichten finden Sie übrigens auch hier im Blog als newsfeed.

 

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Prémio Portugal Telecom geht an Chico Buarque

Leite derramado, der 2009 erschienene Roman des brasilianischen Schriftstellers und Musikers Chico Buarque, wurde gestern in Brasilien mit dem Prémio Portugal Telecom ausgezeichnet. Damit erhielt Chico Buarque innerhalb weniger Tage bereits die zweite Auszeichnung, nachdem auch die Jury des Prémio Jabuti den Roman zum besten Buch des vergangenen Jahres gekürt hatte. Bisher liegt noch keine deutsche Übersetzung vor, sie ist jedoch bereits in Planung.

Der Prémio Portugal Telecom ist mit insgesamt 150.000 Reais dotiert, Chico Buarque erhält davon 100.000, die verbleibende Summe geht an Rodrigo Lacerda (für den Roman Outra Vida), der den zweiten Preis erhielt sowie an Armando Freitas Filho für den Lyrikband Lar.

 

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Ein Brasilianer in Berlin – Um Brasileiro em Berlim

Hier im Blog war im Rahmen der Buchmesseberichterstattung schon von unserem neuesten Buchprojekt die Rede – der zweisprachigen Ausgabe von João Ubaldo Ribeiros Ein Brasilianer in Berlin – Um Brasileiro em Berlim, aber nach den hektischen Wochen rund um die Messe soll es noch einmal offiziell vorgestellt werden.

Der brasilianische Autor João Ubaldo Ribeiro, bekannt hierzulande vor allem durch die Romane Brasilien, Brasilien (Viva o Povo Brasileiro) und Das Lächeln der Eidechse (O sorriso do lagarto) – beide bei Suhrkamp erschienen -, erhielt 1990/1991 ein Stipendium des DAAD und kam in dieser für Deutschland so spannenden Zeit für fünfzehn Monate nach Berlin. Die Frankfurter Rundschau bat ihn seinerzeit, seine Erfahrungen und Eindrücke, Beobachtungen und Gedanken aufzuschreiben –  die daraus entstandenen Kolumnen erschienen monatlich in der Wochenendbeilage der Zeitung. Später wurden sie in deutscher Übersetzung von Ray-Güde Mertin bei Suhrkamp und im portugiesischen Original in Brasilien veröffentlicht. Obwohl inzwischen 20 Jahren ins Land gegangen sind, haben die Texte kaum an Aktualität eingebüßt, humorvolle sind dabei wie Sexy Brasil, Sexy Berlin oder Die Indianer von Berlin und andere, die zum Nachdenken anregen, wie Alte, kriegerische Stadt.

Wir denken und hoffen, dass wir mit dieser zweisprachigen Ausgabe vielen Leserinnen und Lesern entgegen kommen, die eine der beiden Sprachen lernen oder ihre Kenntnisse der Sprache und Kulturen vertiefen möchten und wünschen viel Spaß bei der Lektüre. Das Buch gibt es direkt bei uns, es kann aber selbstverständlich auch in jeder guten Buchhandlung bestellt werden.

João Ubaldo Ribeiro: Um brasileiro em Berlim – Ein Brasilianer in Berlin, zweisprachige Ausgabe portugiesisch-deutsch, TFM – Verlag Teo Ferrer de Mesquita 2010, 14,80 EUR, ISBN 978-3-939455-04-2

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Preisträger des Prêmio Jabuti

Die Preisträger des bedeutendsten brasilianischen Literaturpreises Prêmio Jabuti, der alljährlich in zahlreichen Kategorien vergeben wird, sind Ende letzter Woche bekannt gegeben worden.

In der Kategorie bester Roman erhält der hierzulande noch unbekannte Autor Edney Silvestre den ersten Preis für sein Buch Se eu fechar os olhos agora. An Chico Buarques Roman Leite derramado wurde der zweite Preis vergeben, dritter wurde Luis Fernando Verissimos neuester Roman Os espiões.

In der Kategorie Jugendbuch wurde der angolanische Schriftsteller Ondjaki für Avódezanove e o segredo do Soviético ausgezeichnet.

Alle Preisträger wurden auf der Seite der Câmara Brasileira do Livro veröffentlicht.

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Valdir Cruz: Raízes/Roots

Der brasilianische Verlag Imprensa Oficial präsentiert am Freitag, den 8.Oktober um 12.45 Uhr den Bildband Raízes – Árvores da paisagem do Estado de São Paulo des Fotografen Valdir Cruz im Forum Dialog Halle 6.1 E913 der Frankfurter Buchmesse.

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Marçal Aquino im September auf Lesereise

Der brasilianische Autor Marçal Aquino kommt in diesem Monat nach Deutschland und stellt sein in der Reihe Weltlese der Edition Büchergilde erschienenes Buch

Flieh. Und nimm die Dame mit (Eu receberia as piores notícias dos seus lindos lábios) vor. Das Buch ist Ende vergangenen Jahres erschienen und wurde von Kurt Scharf ins Deutsche übersetzt. Wir haben hier im Blog davon berichtet.

Hier die Termine:

Montag, 20.09, 19.30 Uhr Lesung Stadtbücherei Frankfurt, Hasengasse 4, Moderation/Übersetzung: Michael Kegler

Dienstag, 21.09., 17.00 Uhr Signierstunde Büchergilde Frankfurt, An der Staufenmauer 9

Mittwoch, 22.09., 19.00 Uhr Lesung Buchhandlung Kokon, Lenbachplatz 3, München, Moderation/Übersetzung: Silvia Barbosa, Lesung der deutschen Texte: Wanda Jakob

Freitag, 24.09., 12.00-14.00 Uhr Signierstunde, Büchergilde Berlin am Wittenbergplatz, Kleiststraße 19-21

Freitag, 24.09., 19.00 Uhr Marçal Aquino im Gespräch mit Kurt Scharf, Ibero-Amerikanisches Institut Berlin, Potsdamer Straße 37 (im Rahmen des Internationalen Literaturfestivals ilb), es dolmetscht: Sarita Brandt

Marçal Aquino wurde 1958 in Amparo/São Paulo geboren, arbeitete als Journalist, bevor er begann, Kinderbücher, Romane und Drehbücher zu verfassen. Sein Werk wurde mit mehreren renommierten Preisen ausgezeichnet. Seit den Neunzigerjahren arbeitet er intensiv mit dem Filmregisseur Beto Brant zusammen, der drei seiner Texte verfilmt hat. Die letzte Verfilmung, „O invasor“ (The Invader), wurde 2002 auf der Berlinale gezeigt, kam 2003 in die Kinos und erhielt einen Preis beim Sundance Film Festival in den USA.

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Brasilien Gastland der Frankfurter Buchmesse 2013

Zum zweiten Mal nach 1994 wird Brasilien Gastland der Frankfurter Buchmesse. Ein entsprechender Vertrag für die Frankfurter Buchmesse 2013 wurde in dieser Woche vom Direktor der Frankfurter Buchmesse  Jürgen Boos  sowie vom brasilianischen Kulturminister Juca Ferreira in Brasilia unterzeichnet.

Traditionell hat der Gastlandauftritt eine positive, wenn auch oft nicht lang anhaltende Wirkung, auf die Verfügbarkeit von Übersetzungen der Autoren des Gastlands. Für zahlreiche zeitgenössische brasilianische Autoren bedeutet das eine gute Chance, in den nächsten Jahren im deutschsprachigen Raum bekannter zu werden. Auch zahlreiche Klassiker der brasilianischen Literatur, die bisher nur sporadisch übersetzt wurden und teilweise seit vielen Jahren vergriffen sind, werden so möglicherweise Neuauflagen erleben.

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