Kalendarisch hat der Sommer längst begonnen, ebenso wie die großen Ferien in einigen Bundesländern. Höchste Zeit also für ein paar Lektüretipps für den anstehenden Urlaub.
Der schon vor 2012 erschienene Roman As mulheres da Fonte Nova, das Debüt der portugiesischen Schriftstellerin Alice Brito, war Thema unseres regelmäßig stattfindenden Lesekreises und fand großen Zuspruch. Erzählt wird die Geschichte von Arminda und Maria João, die in den 1930er Jahren in Setúbal im selben Stadtviertel aufwachsen, einer Stadt die damals von Armut und der allgegenwärtigen Fischkonservenindustrie geprägt war. Alice Brito gelingt es ganz hervorragend, das Leben der Frauen zu beschreiben und gleichzeitig die Stimmung in der Stadt mit ihren Gerüchen, Geräuschen usw. ganz plastisch einzufangen. Trotz der schwierigen Lebenssituation der Hauptfiguren wirkt das Buch trotzdem nicht schwermütig. Ideal also als Begleiter für den Urlaub in Portugal.
Für Liebhaber der kurzen Form empfehlen wir den neuen Erzählband O Livro dos Camaleões von José Eduardo Agualusa. Nach der Veröffentlichung des historischen Romans A Rainha Ginga im letzten Jahr, stellt uns Agualusa diesmal wieder einmal Figuren auf Identitätssuche vor, ein Thema, das ihn auch schon in vorangegangenen Büchern beschäftigt hat. Hier treten unter anderem ein in Portugal respektierter afrikanischen Diktator auf, der seine Biographie schreibt oder auch ein bekannter Seemann, der an einen Ort gerät, an dem die Zeit nicht vergeht. Für eine Reise nach Angola oder Rio de Janeiro ebenso geeignet wie für das Kopfkino auf dem heimischen Balkon. Der A1 Verlag veröffentlicht übrigens im August eine Neuauflage von Agualusas bekanntesten Roman Das Lachen des Geckos (O vendedor de passados), den wir auch unbedingt zur Lektüre empfehlen.
Mit dem Literaturpreis der Europäischen Union wurde in diesem Jahr der Roman Índice Médio da Felicidade von David Machado ausgezeichnet. Hier gerät der Lebensplan der Hauptfigur Daniel aus den Fugen, den er in einer Art Tagebuch der Zukunft aufgeschrieben hatte. Doch plötzlich ändern sich die äußeren Umstände, Portugal kollabiert, Daniel verliert seine Arbeit, kann die Raten fürs Haus nicht mehr bezahlen, seine Frau, auch arbeitslos, verlässt ihn zusammen mit den Kindern auf der Suche nach besseren Möglichkeiten. Doch Daniel will trotz der Umstände seinen Optimismus nicht verlieren und kämpft für sein Glück und das seiner Familie. Ein aktueller Roman, der die Krise der letzten Jahre in Portugal reflektiert. Alle vorgestellten Bücher gibt es wie immer bei uns in Frankfurt in der Buchhandlung oder in unserem Onlineshop.
Archiv der Kategorie: literatura portuguesa
Sommerlektüre – Teil 1
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Prémio Camões 2015 geht an Hélia Correia
Der bekannteste Literaturpreis der portugiesischsprachigen Welt wird 2015 an die portugiesische Autorin Hélia Correia verliehen. Der Preis wurde 1988 von den Regierungen Brasiliens und Portugals ins Leben gerufen und ist mit 100.000 Euro dotiert. Alljährlich wird mit ihm ein portugiesischsprachiger Schriftsteller ausgezeichnet. Im letzten Jahr hatte der brasilianische Historiker Alberto Costa e Silva den Preis erhalten.
Der Jury, die sich einstimmig für Hélia Correia entschied, gehörten in diesem Jahr der Literaturkritiker Pedro Méxia, Rita Marnoto von der Universität Coimbra, der brasilianische Lyriker und Essayist Antonio Carlos Secchin, der Schriftsteller Affonso Romano Sant’Anna ebenfalls aus Brasilien sowie Inocência Mata aus São Tomé e Príncipe und der mosambikanische Autor Mia Couto, der Preisträger von 2013, an.
Hélia Correia hat bisher ein sehr vielfältiges Werk veröffentlicht, das sowohl Romane und Erzählungen, aber auch von der klassischen griechischen Tragödie inspirierte Theaterstücke, Gedichte und Kinderbücher beinhaltet.
Für ihren zuletzt erschienenen Erzählband Vinte degraus e outros contos hatte sie im vergangenen Jahr bereits den Grande Prémio do Conto Camilo Castelo Branco 2014 zuerkannt bekommen.
In einer ersten Reaktion zeigte sich die Autorin überrascht über die Preisvergabe. Ihr langjähriger Verleger Francisco Vale vom unabhängigen Verlag Relógio d’água sprach ebenfalls von einem „unerwarteten, aber wohlverdienten“ Preis.
In deutscher Übersetzung wurden bisher nur einzelne Gedichte und Erzählungen in Anthologien veröffentlicht, so in der 1999 zum 25. Jahrestag der Nelkenrevolution erschienen Ausgabe der Literaturzeitschrift „die horen“ sowie in der 1997 zum Portugal-Schwerpunkt der Buchmesse veröffentlichten Zeitschrift „Metaphora“.
Ein ausführlicher Artikel über die Preisvergabe ist in der Hélia Correia im Público erschienen.
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Prémio Literário Correntes d’Escritas geht an Fernando Echevarria
Wie im vorigen Beitrag berichtet, wurde das größte Literaturfestival Portugals, die Correntes d’Escritas im nordportugiesischen Póvoa de Varzim gestern eröffnet. Die Bekanntgabe des Preisträgers des mit 20.000 Euro dotierten Prémio Literário Casino da Póvoa erfolgte traditionell im Rahmen der Eröffnungszeremonie.
In diesem Jahr standen ausschließlich Lyrik-Titel zur Auswahl. Die Jurymitglieder Afonso Cruz, Almeida Faria, Ana Paula Tavares, Maria Flor Pedroso und Valter Hugo Mãe haben sich für Fernando Echevarria und sein 2013 erschienes Werk Categorias e outras paisagens entschieden. Der Preis wird am letzten Tag des Festivals verliehen.
Fernando Echevarria wurde 1929 als Sohn einer spanischen Mutter und eines portugiesischen Vaters in Spanien geboren. Im Alter von 2 Jahren kam er nach Portugal. Er hat unter anderem Theologie und Philosophie Portugal und Spanien studiert und ging 1961 ins Exil nach Paris. Dort und später in Algier arbeitete er als Dozent. Er lebt heute immer noch in Paris.
Bereits in der Vergangenheit hat er für sein lyrisches Werk zahlreiche Literaturpreise erhalten (u.a. Prémio D. Dinis, Grande Prémio de Poesia da Associação Portuguesa de Escritores, Grande Prémio Sophia de Mello Breyner Andresen)
Die Pressemeldung der Festivalorganisation findet sich hier.
Correntes d’Escritas 2015
Mit der Präsentation zahlreicher Neuerscheinungen und der Bekanntgabe des Preisträgers des „Prémio Literário Casino da Póvoa“ eröffnete gestern die 16. Ausgabe der Correntes d’Escritas (25-28.2), des renommiertestem portugiesischen Literaturfestivals, im nordportugiesischen Póvoa de Varzim.
Eingeladen wurden trotzdem mehr als 60 Schriftsteller aus Brasilien, Cabo Verde, Spanien, Angola, Argentinien, Kuba, Moçambique und Portugal, die an verschiedenen Podiumsdiskussionen teilnehmen werden.
Alle Informationen zum Festival finden Sie hier.
Für den Literaturpreis, der diesmal an eine Publikation im Bereich Lyrik vergeben wird, sind die folgenden Titel nominiert:
A papoila e o monge, José Tolentino Mendonça, Assírio & Alvim
Aprendiz de dourado, Renato Filipe Cardoso, Texto Sentido
Aprendizagem Balnear, João Rios, Cadernos do Grito
Categorias e outras paisagens, Fernando Echevarría, Edições Afrontamento
Como uma flor de plástico na montra de um talho, Golgona Anghel, Assírio & Alvim
Equatorial, Fabiano Calixto, Tinta da China
Estação Central, José Tolentino Mendonça, Assírio & Alvim
A Gaveta do fundo, A.M. Pires Cabral, Tinta da China
Jóquei, Matilde Campilho, Tinta da China
Navegação de acaso, Nuno Júdice, Dom Quixote
Nó, Daniel Jonas, Assírio & Alvim
O Vidro, Luís Quintais, Assírio & Alvim
Os caminhos habitados, Fernando Guimarães, Edições Afrontamento
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Prémio Vergílio Ferreira
Der von der Universität Évora in diesem Jahr zum 19. Mal vergebene Prémio Vergílio Ferreira geht an die portugiesische Schriftstellerin Lídia Jorge, die für ihr Gesamtwerk ausgezeichnet wird. Dies gab die Jury, zu der unter anderem Eduardo Lourenço und Fernando Pinto do Amaral gehörten, gestern Abend bekannt.
Lídia Jorge wurde 1946 geboren und ist eine der auch international bekanntesten portugiesischsprachigen Schriftstellerinnen. Bereits ihr erster Roman, O dia dos prodígios (dt. Der Tag der Wunder, leider vergriffen) erhielt glänzende Kritiken. Zuletzt erschien im vergangenen Jahr der Roman Os memoráveis, der sich mit der Geschichte des 25. April und der Nelkenrevolution in Portugal auseinandersetzt.
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Noch kein Geschenk?
Wie jedes Jahr schmelzen die Tage bis zum Fest dahin wie der (noch nicht vorhandene) Schnee. Wenn Sie noch auf Geschenksuche sind, haben wir noch ein paar Tipps für Sie:
Für die kleinen Leser:
Kinderbuchklassiker wie O Grufalão, Oh que lindo é o Panamá oder die Bücher von Conni (in portugiesisch Clara) für die Kleinsten, Weihnachtsgeschichten mit CD, Kinderliederbücher mit CD.
Für Jugendliche kommen vielleicht der Bestseller A culpa é das estrelas von John Green, der schönen Band Sonhos azuis pelas esquinas mit Reiseerzählungen von Ondjaki oder auch Adeus, Berlim (Tschick) von Wolfgang Herrndorf in Frage.
Zum Schmökern für Erwachsenene gibt es natürlich eine große Auswahl: die neuen Bücher Galveias von José Luís Peixoto, A Rainha Ginga von José Eduardo Agualusa oder Flores artificiais von Luiz Ruffato.
Krimifreunde werden vielleicht mit O jogo de Ripper von Isabel Allende, Ladrão de cadáveres von Patricia Melo oder dem neuen Schmöker A chave de Salomão von José Rodrigues dos Santos glücklich.
Für Freunde des Sachbuchs kämen aus aktuellem Anlass O último banqueiro über Ricardo Salgado von der Banco Espírito Santo in Frage oder auch die neu erschienene História alemã in portugiesischer Übersetzung, die einen Überblick über die deutsche Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart gibt oder auch Ende der Fiesta von Miguel Szymanski, das einen persönlichen Einblick in die aktuelle Krise gibt.
Für Musikliebhaber haben wir schon die neuen CDs von Carminho, Gisela João und Mariza auf Lager.
Edle Tropfen fürs Fest von Weingütern aus dem Alentejo, Douro oder der Region Lisboa finden Sie ebenfalls bei uns in der Buchhandlung. Dazu passen der Weinführer Vinhos de Portugal von João Paulo Martins und das wunderbare Kochbuch Cozinha portuguesa (Die portugiesische Küche, in deutsch) aus dem Antje Kunstmann Verlag, das sich zu einem heimlichen Bestseller hier entwickelt hat.
Sollten Sie ganz unentschlossen sein, dann ist vielleicht der Bücherscheck das Geschenk der Wahl, Sie erhalten ihn bei uns in unterschiedlichen Wertstufen und können Ihnen außer in unserer Buchhandlung auch bundesweit in vielen teilnehmenden Buchhandlungen einlösen.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch in der Großen Seestraße 47 in Frankfurt, Ihren Anruf (069-282647) oder Ihre E-mail-Nachricht (info@tfmonline.de). Geöffnet haben wir bis einschließlich 23.12, 14,00 Uhr., Pakete verschicken wir bis zum 22.12. Danach gibt es die übliche Weihnachtspause, und wir sind ab 5. Januar im neuen Jahr wieder für Sie da.
Eine entspannte Vorweihnachtszeit wünscht das TFM-Team.
Bücher zum 25. April – Teil 2
Der 40. Jahrestag der Portugiesischen Nelkenrevolution steht kurz bevor. Die gestern an dieser Stelle begonnene Reihe mit Buchempfehlungen wird hier fortgesetzt.
In Portugal erscheinen anlässlich des Jubiläums eine ganze Reihe von Neuerscheinungen, Sachbücher, Reportagen und Bildbände sind darunter, aber auch neue Romane, die sich mit der Zeit um den 25. April 1974 auseinandersetzen.
Einer davon ist das vor wenigen Wochen erschienene, lange erwartete Buch Os Memoráveis von Lídia Jorge. Im Roman wird die in Washington tätige portugiesische Journalistin Ana Maria Machado mit einer Reportage über den 25. April beauftragt. Sie nimmt die Herausforderung an, kehrt nach Portugal zurück und interviewt mit zwei weiteren Kollegen einige der Hauptfiguren der portugiesischen Nelkenrevolution und versucht dabei herauszufinden, was aus den Zielen und Mythen der Revolution geworden ist. Auf einer zweiten Ebene spielt die persönliche Geschichte von António Machado, dem Vater der Journalistin, eine wichtige Rolle.
Lídia Jorge liest am 2. Mai in Saarbrücken im Rahmen der Tagung „Wir haben sie so geliebt, die Nelkenrevolution. Der portugiesische 25. April 1974 in Literatur, Film und Theater“. Nähere Informationen dazu hier.
Fotografische Zeitdokumente bietet der von Alfredo Cunha und Adelino Gomes herausgegebene Band Os Rapazes dos TanquesDie beiden Autoren haben die Männer wieder gefunden, die am 25. April in den Panzern saßen und den Verlauf der Nelkenrevolution entscheidend mitgeprägt haben, danach aber teilweise in Vergessenheit gerieten, so z.B. José Alves Costa, der sich weigerte mit seinem Panzer auf die Einheit von Santarém zu schießen. Die Autoren haben ihn ihn getroffen, nachzulesen hier in einem Vorabdruck aus dem Buch, den die portugiesische Zeitung Público veröffentlicht hat.
Wie immer sind die besprochenen Bücher bei uns in der Buchhandlung oder online bestellbar.
Lídia Jorge: Os Memoráveis
Cunha/Gomes: Os Rapazes dos Tanques
João Ricardo Pedro neu in deutscher Übersetzung und auf Lesereise
Im vergangenen Jahr stand wegen des Buchmesseschwerpunkts die brasilianische Literatur mit sehr vielen Neuerscheinungen in deutscher Übersetzung im Fokus. Die Frühjahrsprogramm der deutschen Verlage versprechen nun nach längerer Flaute wieder einige Übersetzungen portugiesischer Autoren, die wir in loser Folge hier ankündigen werden.
Eben bei Suhrkamp erschienen ist von João Ricardo Pedro der mit dem Prémio Leya ausgezeichnete Roman O teu rosto será o último, der in der Übersetzung von Marianne Gareis den deutschen Titel Wohin der Wind uns weht trägt.
Als der Roman 2012 in Portugal erschien, hat er dort einiges Aufsehen erregt. João Ricardo Pedro, der vorher nicht als Autor in Erscheinung getreten war, hat den Roman während einer Phase längerer Arbeitslosigkeit, innerhalb von zwei Jahren geschrieben. Das Ergebnis ist ein drei Generationen umspannender Rom über Musik und Gewalt, über die Liebe und das Schicksal, dessen Handlung am 25.April 1974 im Alentejo beginnt.
João Ricardo Pedro stellt seinen Roman in den nächsten Tagen in Berlin, München und Leipzig vor, hier die Termine:
31.03.2014, 19:30 Uhr, Literaturhaus Leipzig, Der Autor im Gespräch mit Claudia Gatzemeier. Übersetzung: Cornelia Döll, Lesung des deutschen Textes: Andreas Dyszewski
01.04.2014, 19:00 Uhr,Ibero-Amerikanisches Institut Berlin, Begrüßung vom Verlag: Frank Wegner, Moderation: Claudia Kramatschek, Übersetzer: Markus Kremer, Lesung des deutschen Textes: Carsten Andörfer
02.04.2014, 19:30 Uhr, München,Buchhandlung Kunst- und Textwerk, Ligsalzstr. 13, Moderation und Übersetzung: Wanda Jakob, Lesung des deutschen Textes: Sebastian Winkler
Original und deutsche Übersetzung gibt es wie immer in unserer Buchhandlung.
João Ricardo Pedro: Wohin der Wind uns weht trägt. Suhrkamp, 18,95 EUR
João Ricardo Pedro: O teu rosto será o último, Leya, 9,80 EUR
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