Der österreichische Praesens Verlag hat jetzt einen Klassiker der portugiesischen Literatur neu auf Deutsch veröffentlicht. Viagens na minha terra, deutsch Auf Reisen im eigenen Land oder Die Fahrt nach Santarémist ein Roman, der 1843 bei seiner Erstveröffentlichung eine literarische Sensation war. Der »moderne Roman« war geboren … zumindest für die portugiesische Literatur jener Tage. Der Roman kommt zunächst im Kleid einer Reiseschilderung einher. Alsbald entpuppt er sich jedoch angesichts zahlreicher Abschweifungen, Glossen und Aphorismen und zu guter Letzt eines bittersüßen Liebesromans in romantischer Manier als eine Abrechnung des Autors mit den politischen und kulturellen Verhältnissen seines Landes, das seit Jahrzehnten unter einem blutigen Bürgerkrieg und verheerenden sozialen Verwerfungen litt. Almeida Garrett, die Galionsfigur der portugiesischen Romantik mit klassischen Wurzeln, die er niemals verleugnet, gestattet sich in seiner Schilderung dieser Fahrt nach dem altehrwürdigen Städtchen Santarém eine erzählerische und gestalterische Freiheit, die für seine zeitgenössische Leserschaft eine absolute Neuheit darstellte, sie begeisterte, aber auch verstörte.
Die deutsche Übersetzung ist von Johann Pögl, der Roman ist in der Reihe Iberoromanischer Texte des Praesens Verlag erschienen.
Seit 2014 findet bei uns in der Buchhandlung in regelmäßigen Abständen von 4-6 Wochen ein portugiesischsprachiger Lesekreis statt.
Weiter geht es nach der Sommerpause am Montag, 8. September um 19.00 Uhrhier in der Buchhandlung. Wir sprechen dann über den Roman Pés de Barro des portugiesischen Autors Nuno Duarte. Der Roman spielt im Lissabon der 1960er Jahre im Umfeld des Baus der großen Brücke (heute Ponte de 25 de Abril) und wurde im vergangenen Jahr mit dem Prémio Leya ausgezeichnet
Anmeldungen für den Lesekreis (falls Sie nicht ohnehin schon regelmäßig teilnehmen) gerne per Mail an info@tfmonline.de
Die Bücher sind bereits eingetroffen und liegen zur Abholung bereit.
Buchhandlung TFM, Frankfurt
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Desde 2014 encontrámo-nos regularmente na TFM para falar sobre livros de autores de língua portuguesa. A próxima tertúlia encontra-se após o verão nodia 8 de setembro às 19h00 na livraria. Vamos falar sobre o romance Pés de Barro do escritor português Nuno Duarteque recebeu o Prémio Leya no ano passado.
Die portugiesische Autorin und Übersetzerin Margarida Vale de Gato erhält das von derPortugiesischen Botschaft/Instituto Camões in Berlin und dem Instituto Camões initiierte, einmonatige Literaturstipendium in Berlin. Bisherige Stipendiat*innen waren Patrícia Portela, Rui Cardoso Martins, Isabela Figueiredo, Miguel Cardoso , Afonso Cruz, Judite Canha Fernandes,Cláudia Galhós, Jacinto Lucas Pires und zuletzt Francisco Sousa Lobo.
Margarida Vale de Gato wurde 1973 in Vendas Novas, Portugal geboren. Sie schreibt, übersetzt, lehrt und forscht im Bereich Nordamerikanistik und Literaturübersetzung an der Fakultät für Literatur der Universidade de Lisboa und lehrt und forscht außerdem am Zentrum für Anglistik derselben Universität. Sie promovierte 2008 mit einer Arbeit über die Rezeption von Edgar Allan Poe in der modernen portugiesischen Lyrik. Seit 1995 übersetzt sie literarische Texte aus dem Französischen und Englischen. Das Projekt, das sie für die Literarische Residenz in Berlin vorstellte, Tocar a Quatro Mãos (Vierhändig spielen), befasst sich ebenfalls mit Schreiben und Übersetzen, hier mit der deutschen Sprache und der Dichterin und Übersetzerin Odile Kennel, die ihrerseits für die deutsche Fassung eines Buches von Vale de Gato verantwortlich ist, Die nicht reklamierten Reste. Lyrisches Handbuch des Übersetzens (im Original Os Restos Não Reclamados: Manual Lírico de Tradução), 2021 bei hochroth erschienen.
Der jetzt erstmals ins Deutsche kurze Roman Leere Schränke (Originaltitel: Armários Vazios) von Maria Judite de Carvalho ist bereits in den 1960er Jahren in Portugal erschienen. Wieder entdeckt wurde sie zunächst in den USA, wo eine Übersetzung von Margaret Jull Costa 2021 für Furore sorgte und in der Folge einige Übersetzungen auch in andere Sprachen nach sich zog.
Die deutsche Übersetzung von Wiebke Stoldt ist jetzt bei S.Fischer erschienen.
Thematisch geht es um Dora Rosário, die sich in der Trauer um ihren vor 10 Jahren verstorbenen Ehemann Duarte eingerichtet hat, der sie und ihre fast erwachsene Tochter Lisa nur Armut hinterlassen hat.
Als der Roman 1966 erschien, stand Portugal unter der Salazar-Diktatur. Die meisten Männer waren abwesend oder handlungsunfähig, den Frauen blieb trotzdem nur die Rolle als Mutter, Tochter, Ehefrau oder Geliebte. Mit wenigen scharf konturierten Strichen entwirft Maria Judite de Carvalho ihre Figuren und lässt eine Zeit aufscheinen, die wenig Gnade zeigte und in der die Frauen auf sich selbst gestellt waren.
Der deutsche Verlag nennt Maria Judite de Carvalho die wichtigste portugiesische Autorin des 20. Jahrhunderts, das erscheint uns angesichts von Namen wie Agustina Bessa-Luís, Lídia Jorge, aber auch den „3 Marias“ Maria Isabel Barreno, Maria Velho da Costa und Maria Teresa Horta eventuell etwas übertrieben. Aber sicher gab es in der Zeit der Diktatur in Portugal überhaupt nur sehr wenige schreibende Frauen, deren Werke veröffentlicht wurden.
In jedem Fall ist Leere Schränke eine interessante Wiederentdeckung, deren Lektüre lohnt. Falls Sie auf den Geschmack kommen und des Portugiesischen mächtig sind, empfehlen wir die 2019 erschienen sechsbändige Werkausgabe.
Seit 2014 findet bei uns in der Buchhandlung in regelmäßigen Abständen von 4-6 Wochen ein portugiesischsprachiger Lesekreis statt.
Weiter geht es am Mittwoch, 25. Juni um 19.00 Uhrhier in der Buchhandlung. Wir sprechen dann über den Krimi A Viagem do Oligarca des portugiesischen Autors und Journalisten Miguel Szymanski.
Anmeldungen für den Lesekreis (falls Sie nicht ohnehin schon regelmäßig teilnehmen) gerne per Mail an info@tfmonline.de
Die Bücher sind ab Mitte nächster Woche (11.6.) zur Abholung bereit.
Buchhandlung TFM, Frankfurt
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Desde 2014 encontrámo-nos regularmente na TFM para falar sobre livros de autores de língua portuguesa. A próxima tertúlia encontra-se nodia 25 de junho às 19h00 na livraria. Vamos falar sobre o policial A Viagem do Oligarca do autor e jornalista português Miguel Szymanski.
Os livros já estarão disponíveis na livraria a partir do dia 11 de junho.
Der portugiesische Verlag Centro Atlântico hatte im letzten Jahr die schöne Idee, bekannte portugiesische Autorinnen und Autoren einzuladen, um kleine Texte über „ihre“ Städte zu schreiben, zu denen der bekannte Fotograf Libório Manuel Silva dann jeweils schöne Fotografien beigesteuert hat. Die Texte wurden ins Englische übersetzt und sind somit auch für auch für Reisende und andere Portugal-Interessierte zugänglich, die kein Portugiesisch sprechen.
Seit 2014 findet bei uns in der Buchhandlung in regelmäßigen Abständen von 4-6 Wochen ein portugiesischsprachiger Lesekreis statt.
Weiter geht es am Mittwoch, 14. Mai um 19.00 Uhrhier in der Buchhandlung. Wir sprechen dann über das neue Buch Filho do Pai des portugiesischen Autors Hugo Gonçalves.
Anmeldungen für den Lesekreis (falls Sie nicht ohnehin schon regelmäßig teilnehmen) gerne per Mail an info@tfmonline.de
Die Bücher sind ab heute Nachmittag (Freitag, 10.4.) lieferbar und können bei uns in der Buchhandlung abgeholt werden.
Buchhandlung TFM, Frankfurt
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Desde 2014 encontrámo-nos regularmente na TFM para falar sobre livros de autores de língua portuguesa. A próxima tertúlia encontra-se nodia 14 de maio às 19h00 na livraria. Vamos falar sobre o livroFilho do Pai do autor português Hugo Gonçalves.
Mit einigen Bücherkisten bepackt, geht es morgen (Mittwoch) nach Leipzig, wo wir an der Buchmesse teilnehmen.
Sie finden uns am portugiesischen Nationalstand in Halle 4C300. Dort gibt es ein umfangreiches Programm mit und über portugiesischsprachige Autor*innen, das wir hier schon in den vergangenen Tagen ausführlich angekündigt haben.
Wenn Sie in der Nähe sind, kommen Sie gern vorbei, wir freuen uns auf spannende Gespräche. Unsere Frankfurter Buchhandlung bleibt deshalb von Mittwoch bis Samstag (26.-29.3.) geschlossen, ab Montag (31.3.) haben wir wieder regulär geöffnet. Onlinebestellungen sind natürlich auch in der Zwischenzeit möglich.
Ende März findet wieder die Leipziger Buchmesse statt. Portugal ist mit einem eigenen Stand in Halle 4 Stand C300 vertreten und bietet ein tolles Programm mit zahlreichen Autorinnen und Autoren, die nach Leipzig reisen werden. Wir sind auch die ganze Zeit vor Ort und beraten Sie gern zu Büchern und Autor*innen.
Hier folgt das Programm für das Wochenende:
Samstag 29.03.2025 Messe – Halle 4 Stand C300
10:30 – 11:30 Uhr VORSTELLUNG VON JOSÉ LUÍS PEIXOTO Gespräch mit dem Autor über sein Buch: Mittagessen am Sonntag In deutscher/portugiesischer Sprache Moderation: Holger Heimann
Mit Mittagessen am Sonntag erscheint im Septime Verlag der nunmehr vierte Roman des portugiesischen Schriftstellers José Luís Peixoto, der bereits mit 27 Jahren mit dem wichtigen José Saramago Preis ausgezeichnet wurde. Der portugiesische Literaturnobelpreisträger bezeichnete José Luís Peixoto als „eine der überraschendsten Offenbarungen der portugiesischen Literatur“. Peixotos neuer Roman ist eine Reflexion über Alter, Glück und die tiefe Liebe einer Familie, die sich um den Patriarchen und seine Erinnerungen versammelt. Eine Biographie, eine Lektüre über Portugal und verschiedene Generationen zwischen 1931 und 2021, betrachtet aus der Perspektive einer Familie. Zentrale Figur ist eine bekannte portugiesische Persönlichkeit des öffentlichen Lebens, die aus einfachen Verhältnissen stammend, imAlentejo ein Firmenimperium mit beispielhaften sozialen Komponenten für die Mitarbeiter aufbaut.
11:45 – 12:45 Uhr WAS JENSEITS DES MEERES LIEGT: DIE POETISCHE PROSA VON ANTÓNIO LOBO ANTUNES Vorstellung des Buches: Am anderen Ufer des Meeres, In deutscher Sprache Mit seiner Übersetzerin Maralde Meyer-Minnemann Anmoderation: Holger Heimann
António Lobo Antunes ist einer der größten Namen der portugiesischsprachigen Literatur, mit einem umfangreichen, von Maralde Meyer-Minnemann ins Deutsche übersetzten Werk, das mit seinen rund 30 Titeln das größte Interesse des Publikums gefunden hat. Als Schriftsteller mit weit gefächerten Themen ist die Tatsache, dass er während des Kolonialkriegs zwischen 1971 und 1973 im Osten Angolas als Militärarzt tätig war, in mehreren seiner Werke präsent. In der Tat erscheint Angola fast wie ein zentraler Ort in seinem einzigartigen und kraftvollen Schaffen, das von Enttäuschung, Metaphern, Brillanz und Besessenheit geprägt ist. Kürzlich erschien Am anderen Ufer des Meeres auf dem deutschen Markt, das eine Geschichte aus der Zeit vor dem Unabhängigkeitskrieg erzählt, deren Ereignisse jedoch den Beginn eines schweren bewaffneten Konflikts vorwegnahmen.
14:30 – 15:30 Uhr EIN GESPRÄCH MIT JOSÉ LUÍS PEIXOTO UND FRANCISCO SOUSA LOBO Die Wurzeln und die Literatur In deutscher/ portugiesischer Sprache Moderation: Maximilian Mengeringhaus
Wir haben bereits über das Eintauchen in eine andere Kultur gesprochen und darüber, was das im Hinblick auf den kreativen Prozess bedeuten kann. In manchen Fällen, wenn man seinen Geburtsort endgültig verlassen hat, in anderen, wenn alles, auch die Natur selbst, einen zum Nomadenleben drängt, werden in Wahrheit ständig Grenzen überschritten, und der Reisende stolpert über fremde Sitten, Gesetze, Farben, Sprachen und Gerüche, um dann mit anderen Vorstellungen nach Hause zurückzukehren als denen, mit denen er aufgebrochen ist.
Angesichts der zunehmenden Häufigkeit dieser Mobilität – Abreise und Rückkehr, um in nicht allzu ferner Zukunft die Reise erneut anzutreten – stellt sich die Frage, ob die Wurzeln aufgelöst werden, während der Begriff des „Zuhauses“ immer diffuser und fließender wird und die Vorstellung von „Identität“ vielleicht nur noch romantisch oder nostalgisch ist. Was wir den Autoren, jeder auf seine Weise ein Reisender, vorschlagen, ist ein Gespräch darüber, ob sie an den Orten, an denen sie geboren und aufgewachsen sind, immer noch Wurzeln finden, und ob wir, wenn solche Bindungen an ein bestimmtes Land oder eine bestimmte Region fortbestehen, sie in den von ihnen produzierten Werken wiederfinden. Denn ihre Geschichten und Bücher wären anders, wenn die lebendige Erinnerung an ihre Herkunft ausgelöscht worden wäre, oder aber es sind diese Wurzeln, die ihr Werk unauslöschlich prägen.
15:45 – 17:00 Uhr WORKSHOP MIT DEM GRAPHIC NOVEL AUTOR FRANCISCO SOUSA LOBO Und der Comic, wie soll er enden? In portugiesischer Sprache
Francisco Sousa Lobo, copyright: Petra Noack
Dieser Workshop mit dem Autor Francisco Sousa Lobo soll Kinder und Jugendliche dazu ermutigen, sich mit Comics zu beschäftigen. Unter dem Titel „Und der Comic, wie soll er enden?“ analysiert der Autor mit den Kindern, wie sie eine einfache Geschichte begonnen haben, deren Rahmen ihnen zuvor vorgegeben wurde, damit sie sich während des Workshops vorstellen – und zeichnen – können, welche Entwicklung sie ihrer Erzählung geben könnten. Anhand des Satzes und der einfachen Zeichnung, die sie von zu Hause mitgebracht haben, können sie sich überlegen, ob sie eine lange oder kurze Geschichte schreiben und welches Ende sie ihr geben wollen. Wir hoffen auf eine unterhaltsame Sitzung, in der jedes Kind seine Kreativität und sein Talent unter Beweis stellen kann.
NaTo Karl-Liebknecht-Str. 46 04275 Leipzig 18:00 – 18:50 Uhr LITERATUR AUS PORTUGAL – EIN ABEND MIT LÍDIA JORGE UND JOSÉ LUÍS PEIXOTO 50 Jahre Demokratie – und der Kampf geht weiter In deutscher/portugiesischer Sprache Moderation: Holger Heimann Am 25. April 1974 setzte ein Staatsstreich dem diktatorischen Regime in Portugal ein Ende und ebnete den Weg für die Rückkehr des Landes zur Demokratie. Wie in ähnlichen Fällen sind die Werte, auf denen ein demokratischer Rechtsstaat beruht, nicht über Nacht entstanden, sondern waren das Ergebnis eines langwierigen Prozesses. Auf die Nelkenrevolution, die bekanntlich unblutig verlief, folgten unzählige Umbrüche und Veränderungen, darunter das Ende des Krieges in Afrika und der Entkolonialisierungsprozess, die Durchführung der ersten freien Wahlen in Portugal mit allgemeinem Wahlrecht und die Verabschiedung der Verfassung. Diese revolutionäre Phase der Geschichte war von Unruhen und ideologischen Auseinandersetzungen geprägt, die beinahe zu einem Bürgerkrieg geführt hätten. Es war also erforderlich, den Frieden zu sichern, ebenso wie es erforderlich war, die Demokratie zu etablieren, die immer unvollständig und unvollendet ist. Die unruhigen Zeiten von heute und das schwindelerregende Tempo, mit dem sich die Realität verändert, lassen uns daran zweifeln, ob der Pluralismus der Meinungsäußerung und der politischen Organisation von Dauer sein wird oder ob die Grundrechte und – freiheiten weiterhin geachtet werden. So lautet das Thema, das wir für das Gespräch zwischen Lídia Jorge und José Luís Peixoto vorschlagen.
Lidia Jorge Erbarmen, Secession Verlag, 2024 Übersetzung: Steven Uhly José Luís Peixoto Mittagessen am Sonntag, Septime-Verlag 2024 Übersetzung: Ilse Dick
Sonntag 30.03.2025 Messe – Halle 4 Stand C300
11:30 – 12:30 Uhr »WIRKLICH LIEBEN TUN WIR NUR, WAS ZU NICHTS NÜTZE IST« Lyrik portugiesischsprachiger Dichterinnen In deutscher/portugiescher Sprache Vorstellung: Michael Kegler Lesung: Noah Moisan
Subtile Widerständigkeit, die Eleganz schlichter Worte, dreiste, verhaltene Sinnlichkeit,Landschaften, eine Welt, die manchmal aus winzigsten Dingen spricht, und so manche Täuschung verbindet die portugiesischsprachigen Lyrikerinnen, aus deren Werken gelesen wird: Gedichte von Ana Luísa Amaral (1916-2022; Portugal), Ana Paula Tavares (*1952; Angola) und Ana Martins Marques (1977; Brasilien) schlagen eine poetische Brücke von Florbela Espanca (1894-1930; Portugal) bis zur im vergangenen Dezember überraschend verstorbenen Adília Lopes (1960-2024; Portugal). Während Florbela Espanca Anfang des 20. Jahrhunderts ihre kompromisslose Ehrlichkeit in Sonette packte, die erst jetzt, ein Jahrhundert später, von Catrin George Ponciano für das BuchAlles – bloß nicht vage!ins Deutsche übersetzt wurden, steht Adília Lopes für die Dekonstruktion von Text, Bildern und Sinn bis zur Kenntlichkeit: „Ein Gedicht schreiben / ist wie einen Fisch / mit den Händen erwischen“. (aus Klub der toten Dichterin, übersetzt von Elfriede Engelmayer.) Vorgebliche Extreme, zwischen denen so einiges möglich ist.
Von Ana Luísa Amaral erschien 2021 der Band Was ist ein Name in der Übersetzung von Michael Kegler und Piero Salabé, von Ana Paula Tavares liegen zwei Bände Fieberbaum, 2010 und Wie feine Adern in der Erde, 2021 in der Übersetzung von Juana und Tobias Burghardt vor; auch von Ana Martins Marques gibt es inzwischen zwei Bücher auf Deutsch: Gärten, 2022 und Streich dieses Wort, 2024.
Ende März findet wieder die Leipziger Buchmesse statt. Portugal ist mit einem eigenen Stand in Halle 4 Stand C300 vertreten und bietet ein tolles Programm mit zahlreichen Autorinnen und Autoren, die nach Leipzig reisen werden. Wir sind auch die ganze Zeit vor Ort und beraten Sie gern zu Büchern und Autor*innen.
Hier ein erster Überblick für die ersten beiden Tage – das Programm fürs Wochenende folgt in Kürze.
Donnerstag 27.03.2025 Messe – Halle 4 Stand C300
Francisco Sousa Lobo, copyright: Petra Noack
11:30 – 12:15 Uhr VORSTELLUNG VON FRANCISCO SOUSA LOBO Gespräch mit dem Autor über sein Buch: Oktober In englischer Sprache Moderation: Toby Ashraf
Im Rahmen eines Residenzstipendiums 2024 in Berlin hat Francisco Sousa Lobo einen kurzen Comic über seinen Aufenthalt in der deutschen Hauptstadt gestaltet. Ausgangspunkt für das Werk mit dem Titel Oktober, das in Kürze in Großbritannien erscheinen wird, ist die Kurzgeschichte Der Büffel, der brasilianischen Schriftstellerin Clarice Lispector.
14:30 – 15:15 Uhr VORSTELLUNG VON TATIANA SALEM LEVY Gespräch mit der Autorin über ihr Buch: Der Schlüssel zum Haus In deutscher/portugiesischer Sprache Moderation: Christian Ruzicska, Verleger Secession-Verlag
Copyright: Pedro Loureiro
Der stark autobiografisch geprägte Roman Der Schlüssel zum Haus ist der zweite ins Deutsche übersetzte Roman der Schriftstellerin Tatiana Salem Levy und erzählt über drei Generationen die Geschichte einer jüdischen Familie, die von Vertreibung, Migration und Exil geprägt ist.
Tatiana Salem Levy Der Schlüssel zum Haus, Secession-Verlag, 2024 Übersetzung: Marianne Gareis
15:30 – 16:30 Uhr 50 JAHRE FREIHEIT: FEIERN MIT MUSIK In deutscher/portugiesischer Sprache Moderation: Toby Ashraf Gesang und Gitarre: Pedro Matos Ein Jahr nach der Nelkenrevolution, die die Demokratie in Portugal wiederherstellte und ein anachronistisches diktatorisches Regime beendete, fanden die ersten freien Wahlen nach allgemeinem Wahlrecht statt. Genau in diesem Moment feiern wir den 50. Jahrestag eines der wichtigsten Schritte auf dem Weg zum Rechtsstaat, für den es sich zu kämpfen lohnt.
Freitag 28.03.2025 Messe – Halle 4 Stand C300
Copyright: Pedro Marnoto
10:30 – 11:15 Uhr VORSTELLUNG VON LÍDIA JORGE Gespräch mit der Autorin über ihr Buch: Erbarmen In deutscher/portugiesischer Sprache mit Steven Uhly, Übersetzer Moderation: Christian Ruzicska, Verleger Secession-Verlag Dona Alberti sitzt im Rollstuhl, kann ihre Hände kaum noch benutzen und erzählt einem Aufnahmegerät aus ihrem Leben im Hotel Paraíso, einem Altenheim, wo sie aus freien Stücken lebt, seit ein banaler Unfall sie ihrer Selbständigkeit beraubt hat. Das sind die Koordinaten von Lídia Jorges jüngstem und vielleicht persönlichstem Roman.
Lidia Jorge Erbarmen, Secession Verlag, 2024 Übersetzung: Steven Uhly
11:30 – 12:15 Uhr EÇA UND CO. Vorstellung des Buches: Die Maias Ironie und moralische Grundlagen der Gesellschaft – Öffentliche Tugenden, private Laster In deutscher Sprache Gespräch mit der Übersetzerin Marianne Gareis Moderation: Maximilian Mengeringhaus
Eça de Queirós ist einer der meistübersetzten portugiesischen Schriftsteller; sein Werk ist in über vierzig Ländern und fast dreißig Sprachen erhältlich. Obwohl der Gegenstand seiner Betrachtung Portugal in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist, legt der Schriftsteller seinen Geschichten Züge der menschlichen Natur zugrunde, die weit über geografische oder historische Epochen hinausgehen, da sie ihr innewohnen und sich folglich im gesellschaftlichen Leben widerspiegeln. Es ist wohl Queirós‘ Zeitlosigkeit zuzuschreiben, dass jetzt in Deutschland eine Neuübersetzung von Os Maias erschien, 136 Jahre nach der Fertigstellung des Romans. Das 1888 geschriebene Werk erzählt die Geschichte dreier Generationen einer Familie in einer Chronik der Sitten voll bissigem Humor und fotografischen Beschreibungen der verschiedenen Milieus, in denen sich die mitunter tragische Handlung abspielt.
14:30 – 15:30 Uhr EIN GESPRÄCH MIT LÍDIA JORGE UND TATIANA SALEM LEVY Männer und die Frauenliteratur – Verstehen Männer die Literatur von Frauen? In deutscher/portugiesischer Sprache Moderation: Benjamin Meisnitzer
Es mag keinen spürbaren Unterschied zwischen der Literatur von Männern und Frauen geben, doch Werke, in denen sich die Autorinnen ganz oder teilweise von ihrer eigenen Existenz, von mehr oder weniger traumatischen Erlebnissen, von Gefühlen oder anderen Wahrnehmungen der Realität inspirieren lassen, erscheinen einem Mann schwer lesbar.
Die Frage, ob diese andere Sicht der Welt, die in der Literatur zum Ausdruck kommt, das männliche Publikum entfremdet oder anzieht, ist eines der Themen, die wir für die Debatte zwischen Lídia Jorge und Tatiana Salem Levy vorschlagen, die beide bemerkenswerte Verfechterinnen der weiblichen Selbstbestimmung und des Abschieds von der patriarchalischen Gesellschaft sind.
Lidia Jorge Erbarmen, Secession-Verlag, 2024 Übersetzung: Steven Uhly Tatiana Salem Levy Der Schlüssel zum Haus, Secession-Verlag, 2024 Übersetzung: Marianne Gareis
Fünf literarische Stimmen aus Guinea-Bissau erzählen: von der provisorischen Verrücktheit des Lehrers Baltazar, der eines Tages nicht mehr im Gymnasium erscheint. Von Vater und Sohn, die eine Kuhherde gegen zwei grüne Büchlein tauschen, um in Europa ans große Geld zu kommen. Vom Soldaten Zé Crocodilo, der sich in einen Fluss voller Krokodile wirft, um zwei portugiesische Ärztinnen zu retten. Und von den verführerischen Früchten des Pitangabaums im Hof der Nachbarin, die einfach unwiderstehlich locken …
Waldir Araújo, Claudiany da Costa Pereira, Amadú Dafé, Edson Incopté und Marinho de Pina Der Pitangabaum der Nachbarin. Erzählungen aus Guinea-Bissau, Edition Noack & Block, 2025 Übersetzung: Renate Heß, Rosa Rodrigues, Johannes Augel
NaTo Karl-Liebknecht-Str. 46 04275 Leipzig 20:00 – 20:50 Uhr LITERATUR AUS PORTUGAL – EIN ABEND MIT TATIANA SALEM LEVY UND FRANCISCO SOUSA LOBO Migration und Kreativität In deutscher / portugiesischer Sprache Moderation: Michael Kegler
Kreativität ist in der Regel ein Prozess des Beobachtens, des Austauschs, des Experimentierens, der Suche nach Anhaltspunkten auf einer Reise, die das Gepäck des Autors mit Gewissheiten und Zweifeln, mit Irrungen und Wirrungen füllt. Gewiss, die Reise kann vor allem eine innere Reise sein, denn sie führt auch zu neuen Fragen oder überraschenden Erkenntnissen. Ebenso wahr ist, dass die andere Reise, die physische, die waghalsige, den Geist des Schriftstellers stets aufrüttelt und seine Feder beunruhigt. Der Autor und die Autorin dieser Sitzung sind Migranten, sicherlich aus unterschiedlichen Beweggründen, aber dennoch Reisende, die mit bestimmten Lebenswelten konfrontiert sind, verschiedene Realitäten beobachten und in anderen Gesellschaften vorherrschende Werte erleben. Zum Auftakt dieser Debatte zwischen Tatiana Salem Levy und Francisco Sousa Lobo schlagen wir vor, dass sie sich selbst und das Publikum fragen, ob sie ein Werk geschaffen hätten, wenn sie keine Emigranten gewesen wären. Mit anderen Worten: Ist die Reise, die das Leben ihnen auferlegt hat, mit ihrem künstlerischem Schaen auf die eineoder andere Weise verbunden?
Tatiana Salem Levy Der Schlüssel zum Haus, Secession-Verlag, Herbst 2024 Übersetzung: Marianne Gareis
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