Archiv der Kategorie: portugiesische Literatur

Bücher zum 25. April – Teil 2

Der 40. Jahrestag der Portugiesischen Nelkenrevolution steht kurz bevor. Die gestern an dieser Stelle begonnene Reihe mit Buchempfehlungen wird hier fortgesetzt.

In Portugal erscheinen anlässlich des Jubiläums eine ganze Reihe von Neuerscheinungen,  Sachbücher, Reportagen und Bildbände sind darunter, aber auch neue Romane, die sich mit der Zeit um den 25. April 1974 auseinandersetzen.

Lídia Jorge: Os memoráveisEiner davon ist das vor wenigen Wochen erschienene, lange erwartete Buch Os Memoráveis von Lídia Jorge. Im Roman wird die in Washington tätige portugiesische Journalistin Ana Maria Machado mit einer Reportage über den 25. April beauftragt. Sie nimmt die Herausforderung an, kehrt nach Portugal zurück und interviewt mit zwei weiteren Kollegen einige der Hauptfiguren der portugiesischen Nelkenrevolution und versucht dabei herauszufinden, was aus den Zielen und Mythen der Revolution geworden ist. Auf einer zweiten Ebene spielt die persönliche Geschichte von António Machado, dem Vater der Journalistin, eine  wichtige Rolle.

Lídia Jorge liest am 2. Mai in Saarbrücken im Rahmen der Tagung  „Wir haben sie so geliebt, die Nelkenrevolution. Der portugiesische 25. April 1974 in Literatur, Film und Theater“. Nähere Informationen dazu hier.

Os rapazes dos tanquesFotografische Zeitdokumente bietet der von Alfredo Cunha und Adelino Gomes herausgegebene Band Os Rapazes dos TanquesDie beiden Autoren haben die Männer wieder gefunden, die am 25. April in den Panzern saßen und den Verlauf der Nelkenrevolution entscheidend mitgeprägt haben, danach aber teilweise in Vergessenheit gerieten, so z.B. José Alves Costa, der sich weigerte mit seinem Panzer auf die Einheit von Santarém zu schießen. Die Autoren haben ihn ihn getroffen, nachzulesen hier in einem Vorabdruck aus dem Buch, den die portugiesische Zeitung Público veröffentlicht hat.

Wie immer sind die besprochenen Bücher bei uns in der Buchhandlung oder online bestellbar.

Lídia Jorge:  Os Memoráveis

Cunha/Gomes: Os Rapazes dos Tanques

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João Ricardo Pedro neu in deutscher Übersetzung und auf Lesereise

Im vergangenen Jahr stand wegen des Buchmesseschwerpunkts die brasilianische Literatur mit sehr vielen Neuerscheinungen in deutscher Übersetzung im Fokus. Die Frühjahrsprogramm der deutschen Verlage versprechen nun nach längerer Flaute wieder einige Übersetzungen portugiesischer Autoren, die wir in loser Folge hier ankündigen werden.

João Ricardo Pedro: Wohin der Wind uns trägtEben bei Suhrkamp erschienen ist von João Ricardo Pedro der mit dem Prémio Leya ausgezeichnete Roman O teu rosto será o último, der in der Übersetzung von Marianne Gareis den deutschen Titel Wohin der Wind uns weht trägt.

Als der Roman 2012 in Portugal erschien, hat er dort einiges Aufsehen erregt. João Ricardo Pedro, der vorher nicht als Autor in Erscheinung getreten war, hat den Roman während einer Phase längerer Arbeitslosigkeit, innerhalb von zwei Jahren geschrieben. Das Ergebnis ist ein drei Generationen umspannender Rom über Musik und Gewalt, über die Liebe und das Schicksal, dessen Handlung am 25.April 1974 im Alentejo beginnt.

João Ricardo Pedro stellt seinen Roman in den nächsten Tagen in Berlin, München und Leipzig vor, hier die Termine:
31.03.2014, 19:30 Uhr, Literaturhaus Leipzig, Der Autor im Gespräch mit Claudia Gatzemeier. Übersetzung: Cornelia Döll, Lesung des deutschen Textes: Andreas Dyszewski
01.04.2014, 19:00 Uhr,Ibero-Amerikanisches Institut Berlin, Begrüßung vom Verlag: Frank Wegner, Moderation: Claudia Kramatschek, Übersetzer: Markus Kremer, Lesung des deutschen Textes: Carsten Andörfer
02.04.2014, 19:30 Uhr, München,Buchhandlung Kunst- und Textwerk, Ligsalzstr. 13,  Moderation und Übersetzung: Wanda Jakob, Lesung des deutschen Textes: Sebastian Winkler

Original und deutsche Übersetzung gibt es wie immer in unserer Buchhandlung.

João Ricardo Pedro: Wohin der Wind uns weht trägt. Suhrkamp, 18,95 EUR

João Ricardo Pedro: O teu rosto será o último, Leya, 9,80 EUR

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Prémio Literário Correntes d’Escritas geht an Manuel Jorge Marmelo

Das größte Literaturfestival Portugals, die Correntes d’Escritas im nordportugiesischen Póvoa de Varzim, wurde heute eröffnet. Die Bekanntgabe des Preisträgers des mit 20.000 Euro dotierten Prémio Literário Casino da Póvoa erfolgte traditionell im Rahmen der Eröffnungszeremonie.

In diesem Jahr standen ausschließlich Belletristik-Titel zur Auswahl. Die Jurymitglieder Isabel Pires de Lima, Carlos Quiroga, Patrícia Reis, Pedro Teixeira Neves und Sara Figueiredo Costa. haben sich für

Manuel Jorge Marmelo: Uma mentira mil vezes repetidaManuel Jorge Marmelo und sein Werk Uma mentira mil vezes repetida

entschieden. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert und wird am letzten Tag des Festivals verliehen. Michael Kegler hat das Buch vor kurzem für nova cultura! rezensiert.

Aus insgesamt 180 eingereichten Werken hatte die Jury neben dem Siegertitel noch folgende auf die Shortlist gewählt:

A Instalação do Medo, Rui Zink,
A Luz é Mais Antiga que o Amor, de Ricardo Menéndez Salmón,
A Maldição de Ondina, António Cabrita,
A Sul. O Sombreiro, de Pepetela,
A Vida no Céu, José Eduardo Agualusa,
Caligrafia dos Sonhos, Juan Marsé,
Dentro de Ti Ver o Mar, Inês Pedrosa,
Diário da Queda, Michel Laub,
Metade Maior, Julieta Monginho,
O Filho de Mil Homens, Valter Hugo Mãe,
O Retorno, Dulce Maria Cardoso,
Pai, Levanta-te, Vem Fazer-me um Fato de Canela, Manuel da Silva Ramos,
Quando o Diabo Reza, Mário de Carvalho,
Um Piano Para Cavalos Altos, Sandro William Junqueira,

An der 15. Ausgabe des Literaturfestivals nehmen bis Samtag 62 Schriftsteller teil. Mit dabei sind unter anderem Ondjaki, Miguel Sousa Tavares, Lídia Jorge, Michel Laub und Ungulani Ba Kha Khosa. Die komplette Teilnehmerliste mit biobibliographischen Informationen wird hier zur Verfügung gestellt.

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Alexandra Lucas Coelho erhält Grande Prémio Romance APE

Alexandra Lucas Coelho: E a noite rodaDer mit 15.000 Euro dotierte Romanpreis des portugiesischen Schriftstellerverbandes geht in diesem Jahr an die Autorin Alexandra Lucas Coelho. Sie wird für Ihren im letzten Jahr erschienenen Roman  E a noite roda (Tinta da China) ausgezeichnet und setzte sich nach drei Jurysitzungen einstimmig gegen Afonso Cruz, Jaime Rocha,  Mário de Carvalho und  Patrícia Portela durch, die ebenfalls auf der Shortlist gestanden hatten.

Alexandra Lucas Coelho wurde 1967 in Lissabon geboren, studierte Theater- und Kommunikationswissenschaften und arbeitet seit 1998 als Journalistin für die portugiesische Tageszeitung Público, unter anderem war sie Korrespondentin in Jerusalem. Seit 2010 lebt sie in Rio de Janeiro. E a noite roda ist ihr erster Roman. Er erzählt die in Jerusalem beginnende Geschichte von Ana und Leon, die sich am Vorabend des Todes von Yassir Arafat kennenlernen.

Zuvor hat Alexandra Lucas Coelho bereits Reiseliteratur und journalistische Sachbücher veröffentlicht. Für ihre Reportagen wurde sie mehrfach ausgezeichnet.

Ihr neuestes Buch Vai, Brasil ist eben in Portugal erschienen und ist ein Reisebuch im besten Sinne mit Reportagen über Brasilien.

Alexandra Lucas Coelho: E a noite roda
Alexandra Lucas Coelho: Vai Brasil

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Prémio LeYa geht an Gabriela Ruivo Trindade

Der mit 100.000 Euro dotierte Prémio LeYa, der von der gleichnamigen portugiesischen Verlagsgruppe für bisher unveröffentlichte Texte verliehen wird, geht in diesem Jahr zum ersten Mal an eine Schriftstellerin – die in London lebende Portugiesin Gabriela Ruivo Trindade.

Sie erhält den Preis für den Roman Uma outra voz, der aus der Sicht verschiedener Erzählfiguren die Geschichte einer Familie aus dem Alentejo erzählt. Handlungsorte sind neben der alentejanischen Stadt Estremoz unter anderem Lissabon und Afrika. Von der Jury unter Vorsitz von Manuel Alegre wurden vor allem die starken Frauenfiguren, aber auch die ungewöhnliche Erzählweise, die Fiktion mit Fotografie mischt, hervorgehoben.

In einer ersten Stellungnahme zeigte sich die Autorin überrascht und natürlich auch erfreut über die Preisverleihung. Sie hatte das Manuskript bereits früher bei einem portugiesischen Verlag eingereicht, dort war es jedoch abgeleht worden, unter anderem mit dem Hinweis darauf, dass es zu lang sei. Gabriela Ruivo Trindade hatte den Roman daraufhin noch einmal überarbeitet und für den Wettbewerb eine deutlich verkürzte Version eingereicht, die dem Text offensichtlich gut getan hat.

Der Roman Uma outra voz erscheint im kommenden Jahr bei LeYa.

Weitere Informationen zur Preisträgerin in der portugiesischen Presse:

Público

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Urbano Tavares Rodrigues (1923-2013)

Der portugiesische Schriftsteller Urbano Tavares Rodrigues ist heute im Alter von 89 Jahren in Lissabon gestorben. Er wurde in Moura geboren, studierte Romanische Philologie in Lissabon, durfte während der Salazar-Diktatur jedoch nicht unterrichten und ging daher nach Frankreich, wo er unter anderem als Lektor an den Universitäten von Montpellier und Aix-en-Provence lehrte. In den 60er Jahren wurde er in Portugal mehrfach verhaftet, da er im Widerstand gegen die Diktatur aktiv war.

Nach der Nelkenrevolution kehrte er nach Portugal zurück, er promovierte in den 80er Jahren in Literaturwissenschaft und hatte bis zu seiner Pensionierung 1993 einen Lehrstuhl an der Universität in Lissabon inne. Sein Werk, das vom französischen Existentialismus beeinflusst ist,  umfasst zahlreiche Romane, Erzählungen und Essays, für die er mit diversen Literaturpreisen ausgezeichnet wurde.

In deutscher Übersetzung von Curt Meyer-Clason erschien 1997 der Roman „Die Hitzewelle“ (A vaga do calor).

Urbano Tavares Rodrigues war mit der 1998 verstorbenen Schriftstellerin Maria Judite Carvalho verheiratet.

Die portugiesische Presse berichtet ausführlich, unter anderem hier:

Público

Diário de Notícias

Expresso

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Druckfrisch – José Saramago: O conto da ilha desconhecida

Eben aus der Druckerei eingetroffen ist die neue Auflage unserer zweisprachigen Ausgabe von José Saramagos: O conto da ilha desconhecida – Die Geschichte von der unbekannten Insel.

José Saramago: O Conto da Ilha Desconhecida - Die Geschichte von der unbekannten InselAllzu viel soll hier nicht vom Inhalt verraten werden, aber sollten Sie dieses moderne Märchen noch nicht kennen, nur soviel: Eines Tages klopft ein Mann an die Tür des Königs und bittet ihn um ein Schiff. Auf die Suche nach der unbekannten Insel will sich der Mann damit machen, in Zeiten, an denen schon niemand mehr an eine solche glaubt. Ob das hartnäckige Bitten auf offene Ohren stößt und der Mann die Insel findet, können Sie selbst nachlesen, wenn Sie mögen.

Die zweisprachige Ausgabe im Paralleldruck enthält den portugiesischen Originaltext und die deutsche Übersetzung von Ray-Güde Mertin und ist somit auch gut für Lernende der portugiesischen oder deutschen Sprache geeignet, die ihre Sprachkenntnisse ausprobieren möchten.

Erhältlich ist das Buch direkt bei uns oder kann natürlich in jeder Buchhandlung bestellt werden:

José Saramago: O Conto da Ilha Desconhecida – Die Geschichte von der unbekannten Insel. ISBN 9783925203985, TFM – Verlag Teo Ferrer de Mesquita, 4. Auflage 2013, 10,00 EUR

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Prémio Leya 2012 geht an Nuno Camarneiro

Der mit 100.000 Euro dotierte Prémio LeYa geht in diesem Jahr an den portugiesischen Autor Nuno Camarneiro. Prämiert wird sein noch unveröffentlichter Roman Debaixo de algum céu.

Die Jury unter Vorsitz von Manuel Alegre entschied sich mehrheitlich für das Werk des 35jährigen Portugiesen, das im kommenden März erscheinen soll. Das Buch dreht sich um die Bewohner eines Hauses an der Küste und spielt sich im Zeitraum von acht Tagen zwischen Weihnachten und dem neuen Jahr ab. Jede Figur erlebt in dieser Zeit ihr ganz persönliches Fegefeuer.

Nuno Camarneiro wurde in Figueira da Foz geboren und lehrt Restaurierung an der Universität Portucalense in Porto und forscht an der Universität in Aveiro. In den vergangenen Jahren arbeitete er unter anderem am CERN in Genf und forschte in Florenz.

Der erste Roman von Nuno Camarneiro erschien im letzten Jahr mit dem Titel  No meu peito não cabem passáros.  Mit dem  Prémio LeYa wird ein noch unveröffentlichtes Werk von portugiesischsprachigen Autoren ausgezeichnet. Bisherige Preisträger waren der Brasilianer Murilo Carvalho, João Paulo Borges Coelho aus Moçambique und im letzten Jahr der portugiesische Autor João Ricardo Pedro.

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José Luís Peixoto: Dentro do segredo

José Luís Peixoto ist einer der bekanntesten Autoren junger portugiesischer Autoren. Schon sehr früh wurde er mit dem Prémio José Saramago ausgezeichnet (2001 für seinen Roman Nenhum Olhar) und seither regelmäßig Romane und auch Gedichtbände. Mit seinem neuen Buch Dentro do segredo betritt er nun Neuland, und zwar im doppelten Wortsinn. Im April dieses Jahres war er für zwei Wochen Teilnehmer einer geführten Reise nach Nordkorea, seine Erfahrungen mit einem der Länder, über die außer Propaganda so gut wie nichts bekannt ist, verarbeitet er in seinem neuen Buch aus dem Genre der Reiseliteratur.

Interessante Einblicke zum Projekt gibt dieser Artikel, der im Público erschienen ist.

José Luís Peixoto: Dentro do segredo, Quetzal 2012, bei TFM erhältlich

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Neues von Fernando Pessoa

Der S. Fischer Verlag setzt erfreulicherweise die vom Ammann Verlag mit viel Liebe und Ausdauer begonnene Edition der Werke Fernando Pessoas fort. Die berühmte Truhe Fernando Pessoas ist ja offenbar nahezu unerschöpflich und bringt immer wieder neue, spannende Facetten des portugiesischen Dichters zu Tage. Der Band Boca do Inferno – Aleister Crowleys Verschwinden in Portugal, übersetzt und herausgegeben  vom Pessoa-Forscher Steffen Dix, beleuchtet eine eher unbekannte Facette aus Pessoas Werk.

Im September 1930 treffen in Lissabon Fernando Pessoa und der für sein kapriziöses Leben berüchtigte englische Okkultist, und Dichter Aleister Crowley aufeinander. Die hitzige Freundschaft endet mit dem plötzlichen Verschwinden Crowleys. Ein mysteriöser Abschiedsbrief taucht auf, angeblich soll sich Crowley an der Boca do Inferno in Cascais das Leben genommen haben, ein Leichnam wird jedoch nie gefunden.

Steffen Dix stellt hier erstmals in deutscher Übersetzung zahlreiche Dokumente aus Pessoas Werk vor und – so das Versprechen des Verlags – löst viele Rätsel, die ins Werk Pessoas führen.

Fernando Pessoa: Boca do Inferno. Aleister Crowleys Verschwinden in Portugal, S. Fischer, 2012, 24,99 EUR

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