Mit einigen Bücherkisten bepackt, geht es morgen (Mittwoch) nach Leipzig, wo wir an der Buchmesse teilnehmen.
Sie finden uns am portugiesischen Nationalstand in Halle 4C300. Dort gibt es ein umfangreiches Programm mit und über portugiesischsprachige Autor*innen, das wir hier schon in den vergangenen Tagen ausführlich angekündigt haben.
Wenn Sie in der Nähe sind, kommen Sie gern vorbei, wir freuen uns auf spannende Gespräche. Unsere Frankfurter Buchhandlung bleibt deshalb von Mittwoch bis Samstag (18.-21.3.) geschlossen, ab Montag (23.3.) haben wir wieder regulär geöffnet.Onlinebestellungen sind natürlich auch in der Zwischenzeit möglich.
Es gibt erfreulicherweise Zuwachs im Bücherregal der deutschen Übersetzungen. Manchmal braucht es einige Jahre und viel Durchhaltevermögen, bis ein deutscher Verlag auf ein interessantes aufmerksam wird und es publiziert.
So auch in diesem Fall. Der Wallstein Verlag hat jetzt in seiner „Weidle-Reihe“ Die Frauen der Fonte Nova (As Mulheres da Fonte Nova) der portugiesischen Autorin Alice Brito veröffentlicht, mit einem sehr schicken Cover, wie wir finden. Die Übersetzung stammt von Markus Sahr.
Erzählt wird die Geschichte von Arminda und Maria João, die in den 1930er Jahren in Setúbal im selben Stadtviertel aufwachsen, Setúbal war seinerzeit ein Stadt, die von Armut und der allgegenwärtigen Fischkonservenindustrie geprägt war. Alice Brito gelingt es ganz hervorragend, das Leben der Frauen zu beschreiben und gleichzeitig die Stimmung in der Stadt mit ihren Gerüchen, Geräuschen ganz plastisch einzufangen. Trotz der schwierigen Lebenssituation der Hauptfiguren wirkt das Buch überhaupt nicht schwermütig. Das Buch wurde 2012 in Portugal veröffentlicht, war das Debüt von Alice Brito und ist leider im Original schon seit einiger Zeit vergriffen.
Wir haben es als eines der ersten Bücher in unserer „Tertúlia“ gemeinsam gelesen und damals, soweit ich mich erinnere, einhellig positiv bewertet.
Umso schöner ist es, dass durch die Übersetzung jetzt auch das deutsche Publikum die Chance hat, das Buch kennenzulernen. Alice Brito ist nächste Woche auf der Leipziger Buchmesse zu Gast und wird den Roman am Stand der portugiesischen Botschaft vorstellen am Freitag 28.03.2025, Messe – Halle 4 Stand C300, 10.30-11.15 Uhr.
Ende März findet wieder die Leipziger Buchmesse statt. Portugal ist mit einem eigenen Stand in Halle 4 Stand C300 vertreten und bietet ein tolles Programm mit zahlreichen Autorinnen und Autoren, die nach Leipzig reisen werden. Wir sind auch die ganze Zeit vor Ort und beraten Sie gern zu Büchern und Autor*innen.
Hier ein erster Überblick für die ersten beiden Tage – das Programm fürs Wochenende folgt in Kürze.
Donnerstag 19.03.2025 Messe – Halle 4 Stand C300
11:30 – 12:15 Uhr VORSTELLUNG VON FRANCISCO MOTA SARAIVA
Gespräch mit dem Autor über sein Buch: Morramos ao menos no Porto Moderation/Übersetzung: Michael Kegler
Francisco Mota Saraiva, ein junger portugiesischer Autor, der bereits mehrfach ausgezeichnet wurde, u.a. mit dem Prémio der Fundação Eça de Queirós und zuletzt mit dem renommierten Prémio Saramago.
14:30 – 15:15 Uhr VORSTELLUNG VON CARLA PAIS
Gespräch mit der Autorin über ihr Buch Um Cão Deitado à Fossa, Moderation: Benjamin Meisnitzer
Carla Pais debütierte vor etwa 10 Jahre in der Welt der Literatur gab und erhielt im letzten Jahr den renommierten Prémio Leya für ein noch unveröffentlichtes Buch, das im Laufe des Jahres erscheint..
15:30 – 16:30 Uhr VORSTELLUNG DES WERKS VON YVETTE K. CENTENO
Yvette K. Centeno: geb. 1940, Professorin für Germanistik und vergleichende Literaturwissenschaft an der Lissaboner Universidade Nova, Forschungen zu Fernando Pessoa sowie zu Symbologie, Theater und Gesellschaft, übersetzte Brecht, Goethe, Stendhal, Shakespeare und Celan ins Portugiesische, erhielt für ihr umfangreiches Werk den Prémio Jacinto do Prado Coelho (Preis der Literaturkritiker) und den Prémio de Poesia der Zeitschrift Mulheres, lebt in Lissabon.g
Donnerstag, 19.03.2026
18.00 – 18.50 Uhr / NaTo
Karl-Liebknecht-Str. 46
04275 Leipzig
EIN ABEND MIT ALICE BRITO UND CARLA PAIS
Schreiben: Katharsis, Ästhetik oder soziale Waffe. Woran glauben Sie?
Moderation: Benjamin Meisnitzer
Literatur kann aus Sicht des Lesers und sicherlich auch aus Sicht des Autors unterschiedlichen Zwecken dienen. Es ist interessant festzustellen, dass die Sichtweisen dieser beiden Protagonisten – des Lesers und des Autors – auf ein und dasselbe Werk sehr unterschiedlich sein können. Gemeinhin werden Katharsis, Ästhetik oder soziale Waffe als Hauptfunktionen eines literarischen Werks angesehen. Als Ausgangspunkt für eine hoffentlich lebhafte Debatte möchten wir von Alice Brito und Carla Pais erfahren, welche Ziele sie erreichen möchten, wenn sie sich an den Tisch setzen, um ein neues Buch zu beginnen. Die Moderation der Diskussion übernimmt Benjamin Meisnitzer, Professor an der Universität Leipzig.
Ein kompromissloses Debüt über starke Frauen im unterdrückten Portugal der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts!. Alice Brito gelingt es mit »Die Frauen der Fonte Nova«, uns vor einem präzisen historischen Hintergrund eine starke, realistische Erzählung über kämpferische Frauen zu liefern, in der Humor und Ernsthaftigkeit zugleich das Drama dieser Leben von jeglicher Sentimentalität befreien.
Moderation: Markus Sahr
11:30 – 12:15 Uhr VORSTELLUNG VON „HERR ELLIOT UND DIE VORTRÄGE“ aus dem Werk „Das Viertel“ von Gonçalo M. Tavares
Mit dem Verleger Reto Ziegler und dem Übersetzer Michael Kegler
Der in Luanda, Angola, geborene Schriftsteller Gonçalo M. Tavares, portugiesischer Staatsbürger, ist dem deutschen Publikum durch die zahlreichen Übersetzungen seiner Werke und seine wiederholten Besuche in Deutschland, die er für Lesungen und Diskussionen mit seinem Publikum unternommen hat, bestens bekannt.
Dieses Mal wird Herr Eliot und die Vorträge vorgestellt, der 10. Band seiner langen Reihe „Senhores”, deren offizieller Titel „Das Viertel” lautet. Darin lädt der Autor den Leser mit erhabener Ironie und einer fast poetischen Synthese dazu ein, die Welt zu „dekonstruieren”.
Drei Jahrzehnte nach dem 25. April 1974, dem Tag der portugiesischen Revolution, soll die in den USA lebende Ich-Erzählerin Ana Maria Machado, Tochter eines linken portugiesischen Journalisten, für die CNN eine Fernsehreportage über die sogenannte »Nelkenrevolution« machen. Die junge Generation Portugals will eigentlich nichts mehr wissen von dieser Vergangenheit und sieht die »Helden« der Revolution eher als Verräter an ihren eigenen Idealen. Doch dies ändert sich für Ana Maria und zwei ihrer ehemaligen Kommilitonen, als sie sich gemeinsam an die Reportage für die CNN begeben. Ausgehend von einer Photographie mit den Protagonisten des Umsturzes porträtieren sie einige der damaligen Akteure.
Lídia Jorge setzt mit diesem Roman all jenen Menschen ein Denkmal, die im April 1974 heldenhaft für ihr Land kämpften und nun größtenteils desillusioniert sind, und sie zeigt den Widerspruch zwischen den großen, heroischen Augenblicken der Geschichte und dem späteren Realitäts-Clash auf.
15.30 – 16.00 Uhr / Halle 4, Stand C300
LANDSCHAFTEN UND LITERARISCHE INSPIRATION: REISEN DURCH DIE HALBINSEL VON SETÚBAL
Vorstellung: Dagmar Paul, Turismo de Portugal
Es ist fast unmöglich, sich der Faszination einer Landschaft zu entziehen, sei sie nun natürlicher oder kultureller Art.
Insbesondere an einem Ort, an dem der Einfluss des Menschen nur gering ist und das intensive Blau des Ozeans auf das strahlende Grün der Berge trifft, prägt dies zwangsläufig die dort entstehenden künstlerischen Werke. Es ist diese inspirierende und zum Nachdenken anregende Wirkung, die die Halbinsel Setúbal im Laufe der Zeit auf unzählige Literaten ausgeübt hat, die sich von der Kraft und Großartigkeit der Landschaft, die sich vor ihren Augen ausbreitete, anstecken ließen.
Der portugiesische Autor Gonçalo M. Tavares wird mit dem renommierten spanischen Premio Formentor de las Letras 2026 ausgezeichnet. Die Jury betonte bei der Bekanntgabe dass Tavares die strengen Grenzen zwischen den traditionellen literarischen Gattungen verwische und dass er in den letzten 25 Jahren ein literarisches Werk von starker Persönlichkeit, blendender Originalität und kraftvoller Fantasie geschaffen habe. Tavares Romane bevölkerten Figuren, deren Extravaganz den ungewöhnlichsten, seltsamsten und unerwartetsten Dimensionen des Menschseins zugeschrieben werden könnten.
Vor ihm haben unter anderem Samuel Beckett, Jorge Luis Borges, Javier Marías, Mircea Cărtărescu, Annie Ernaux, Cees Nooteboom, César Aira, Liudmila Ulítskaya und László Krasznahorkai den Preis erhalten. Er ist mit 50.000 Euro dotiert.
Gonçalo M. Tavares ist einer der meist übersetzten Autoren Portugals. In deutscher Übersetzung von Michael Kegler erscheinen seit einigen Jahren die Bände der „Senhores“ aus der Reihe „O Bairro“ (Das Stadtviertel) im österreichischen Verlag Edition Korrespondenzen.
Der 10. und letzte Band Herr Eliot und die Vorträge erscheint im März und kann schon vorbestellt werden. Auf der kommenden Leipziger Buchmesse stellen Michael Kegler und Reto Ziegler von der Edition Korrespondenzen den Band vor (Freitag, 20.3. 11.30 Uhr, Halle 4 C300). Ein kleines Porträt über Gonçalo M. Tavares von seinem Übersetzer Michael Kegler ist im Rahmen der „Weltlesebühne“ hier verfügbar.
In Portugal veröffentlichte Gonçalo M. Tavares Ende letzten Jahres das Epos O Fim dos Estados Unidos da América, das mit dem rätselhaften Ausbruch der Pest in den Vereinigten Staaten von Amerika beginnt. Ted Trash, Faschist und Rechtsextremist, und Left Wing, Linksextremist, sind für einen zweiten Bürgerkrieg im Land verantwortlich. Arme und Reiche werden Probleme miteinander haben, und zwar nicht wenige.
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