José Saramago: Caim

José Saramago: CaimDer vor knapp einer Woche erschienene neue Roman „Caim“ des portugiesischen Nobelpreisträgers ist zweifellos derzeit das Thema der portugiesischen Literaturwelt, und nicht nur dieser. Schon kurz nach Erscheinen des Romans, dessen Protagonist die biblische Figur Kain ist, begann eine große Polemik, die noch immer andauert und in vielem an die Diskussion um das Buch „O Evangelho segundo Jesus Cristo“ von vor 20 Jahren erinnert. Der bisherige Gipfel sicherlich die abwegige Forderung eines portugiesischen Europaabgeordneten, Saramago solle auf die portugiesische Staatsbürgerschaft verzichten.

Bei aller Diskussion wird gern vergessen, dass es sich (nur) um Literatur handelt. In dem zweifellos polemischen Buch, wird Kain, der nach dem Mord an seinem Bruder Abel von Gott mit dem Kainsmal versehen und zum Umherirren verdammt ist, von Saramago auf eine Zeitreise durch die Geschichte(n) des Alten Testaments geschickt. Der Erzähler kommentiert unter anderem die Zerstörung von Sodom und Gomorrha, die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies, den Turmbau zu Babel, die Geschichte um das Goldene Kalb und andere Begebenheiten aus der Bibel. Eine Bibel als Parallellektüre ist deshalb übrigens nicht verkehrt, vor allem wenn man nicht ganz so bibelfest ist und Humor, Ironie und Kritik in Gänze verstehen möchte.

Ein Streitgespräch von José Saramago mit dem katholischen Theologen José Tolentino Mendonça können Sie hier (Online-Ausgabe der Wochenzeitung Expresso) nachlesen. Interessant auch das ausführliche Interview das Diário de Notícias mit Saramago geführt hat (beide in portugiesischer Sprache).

Darüberhinaus gibt die Fundação José Saramago einen umfassenden Überblick über das Medienecho.

Bis das Buch in deutscher Übersetzung erscheint, werden sicher noch einige Monate vergehen. In der Zwischenzeit steht die Originalausgabe zum Verkauf, ab sofort bei uns in der Buchhandlung (wie immer vor Ort und online).

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