Tagesarchiv: 10. Dezember 2020

Clarice Lispector – zum 100. Geburtstag

Die brasilianische Ausnahmeautorin Clarice Lispector wäre heute 100 Jahre alt geworden. In der Zeit widmet ihr Simon Sales Prado einen sehr lesenswerte, ausführlichen Geburtstagsartikel mit dem Titel Schon wieder entdeckt. Darin beschreibt er das Leben von Clarice, die 1920 als Tochter jüdischer Eltern in der heutigen Ukraine geboren wurde. Die Eltern flohen 1922 nach Brasilien. Ihren ersten Roman Perto do coração selvagem (Nahe dem wilden Herzen) veröffentlichte sie mit 23 Jahren, er wurde ein großer Erfolg, doch danach wurde sie immer wieder vergessen und später wiederentdeckt, wie Sales Prado in seinem Artikel beschreibt. Er zitiert auch das einzige Interview, das Clarice Lispector im Alter von 57 Jahren kurz vor ihrem Tod gegeben hat unter der Maßgabe, dass es erst nach ihrem Tod veröffentlicht werden sollte. Man kann es sich heute hier im Original anschauen.

Clarice Lispector: Aber es wird regnen

Vor ungefähr 10 Jahren begann eine Wiederentdeckung von Lispectors Werk in der westlichen Welt, die hauptsächlich auf die Biographie des amerikanischen Journalisten Benjamin Moser zurückzuführen ist. In Deutschland erschienen im Umfeld des Brasilienschwerpunkts der Frankfurt 2013 einige Romane im Schöffling Verlag. Zuletzt veröffentlichte Penguin mit großem Erfolg die gesammelten Erzählungen Clarice Lispectors in der Übersetzung von Luis Ruby in zwei Bänden mit den Titeln Tagtraum und Trunkenheit einer jungen Frau und Aber es wird regnen.

Auch in Brasilien wurde das Gesamtwerk neu aufgelegt. Erstmals erschien die gesamte Korrespondenz – Todas as cartas. Auch alle Zeitungsartikel – Todas as crônicas wurden in einem Sammelband veröffentlicht.

An der Universität Heidelberg findet heute eine wissenschaftliche Konferenz mit dem Titel Der Fluss der Form: Aspekte der Narrative von Clarice Lispector statt, die man im Livestream verfolgen kann.

Lusofonia München veranstaltet zusammen mit dem Literaturhaus München heute 20.00 Uhr einen Lispector-Abend mit Luis Ruby und Annette Paulmann, moderiert von Maike Albath, der auch per Stream übertragen wird, nähere Informationen hier.

Ansonsten empfehlen wir natürlich die Lektüre von Clarice Lispectors Romanen und Erzählungen, von denen wir eine große Auswahl im Original und deutscher Übersetzung bei uns in der Buchhandlung haben und auch gern verschicken.

Sehr empfehlenswert ist auch „Die lange Nacht“ bei Deutschlandfunk Kultur, die sich mehrere Stunden lang Clarice Lispector gewidmet hat, viele Wissenschaftlerinnen und Übersetzer und Übersetzerinnen kommen dort zu Wort.

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